Samstag, 28. Oktober 2017

Es soll uns im nachfolgenden Versuch einer Herleitung aufgegeben sein, einem Zustand im Subjekt nachzuspüren, der sich einem schieren Zwang zu genügen weiß, als er anerzogene und vermittelte Begriffe von Wahrnehmung im Subjekt zu suspendieren sucht. Eine Bindung des Subjekts an eine hier gegenständlich sein sollende, nicht-synthetische Auffassung von Fairness im Zwischen von Menschen nachzuzeichnen, der es intern sein soll, nicht falsch sein zu können: Sie soll der bloßen Gezwungenheit zur Wahrnehmung im Subjekt genügen, die anhand des Beispiels eines begriffslosen Verständnisses von Fairness vorgestellt werden soll. Denn nicht weniger signifikant ist die aktuelle Diagnose, dass ein gemeinschaftliches Unvernehmen geschwächter gesellschaftlicher Fairness, sich im modernen Sozialstaat politisch feil zu bieten sucht, was derlei zu seiner Dispositionierung gereicht, indem hinlänglich widerstreitende Formen einer Bedarfs-, Leistungs- und Besitzstandsgerechtigkeit nebeneinander gesellschaftlich zu sprossen wissen. Suchende und bewegungswirkliche als politische Unordnung, die historisch-iterativ freilich stets war, die immer ist und die wiederkehrend sein wird, überantwortet sich als durchgängiges, marjoritär Wollendes innerhalb jeder gesellschaftlichen Personenmehrheit. Es sind die historisierbaren Reiche synthetischer Vorstellungen von Fairness, die die Menschen in ihrem Zwischen, je in alternierender Weise einzuüben wissen und allzu oft, zu ihrem jeweiligen Nutzen zu perpetuieren suchen.

Nicht weniger offensichtlich gestaltet sich die Erkenntnis in jedem Individuum, das sich nachgerade einer Entscheidung seiner individualen Vergesellschaftung, als ein bestimmtes und bestimmbares Subjekt erst selbst zu nobilitieren wüsste (indem es in einem Rollenverständnis aufgeht oder aufzugehen hat), dass purifizierter Kapitalismus und (purifizierter) Sozialismus gleichermaßen in gesellschaftlicher Fairness allenfalls zu paradoxieren, dabei nicht zureichend wirklich (fort-)zuwirken wissen. Es wäre hiernach der einleitende Aufnahmepunkt für den Versuch unserer Herleitung, eine schon schlichte Widerfahrnis beim Subjekt zu quittieren, die zuallererst einen kapitalistisch-egologischen Primat im Subjekt zwar beschreibbar werden ließe, die aber dessen Wertungen unvorhersehbar, unberechenbar zu kontrastieren scheint: so wie ein gängiger, ununterbrochen funktionabler Konsument in einer Marktwirtschaft eine Maximierung seines Mononutzens (und Konsumverhaltens) unvorhergesehen unterbricht, vermag es der eingeübte sozialistische Mensch nicht weniger, innerhalb einer verkehrsgelenkten Mangelwirtschaft, seinen Individualnutzen zu maximieren. Irgendwie formative, in Form verfestigte Moral, als sie beispielhaft aus Religion und Ideologie erzeugt wird, nicht weniger sonstwie ontisch verunreinigte Vernunft unterbrechen den Gedanken eigener Nutzenmaximierung oder vorhersehbares Entscheiden, die gleichsam programmatisch, scheinbar keiner synthetischen Eindrücklichkeit ergeben, auch konsequenzreich hinantzufallen scheinen. Es verstetigt sich zu einer Paradoxierung im Zwischen von Menschen, als möglich beschreibbare Momente gesellschaftlicher Fairness einem (ihrem jeweils vordefinierten) synthetischen Bewusstsein von Fairness nicht überantwortet worden zu sein scheinen. Das hier vorläufig als nur ein anderes und zunächst ungeklärtes „Urteilen“ anmutende Paradoxon, das ein eigenes, decodierendes Rollenbewusstsein im synthetisch ausdifferenzierenden Bewusstsein im Subjekt bestreitet, widersteht nicht weniger (auch abschließend) einer stets polyvalent erklären könnenden Ratio, die ein synthetisierendes Bewusstsein dem Subjekt einprägt: einer marktwirtschaftlichen, liberalen oder verkehrswirtschaftlich sozialistischen Vernunft, als letztere nur eine anders kapitalistische ist, die je in dem Downgrade ihrer jeweiligen historisierbaren Desillusionierung, auch nur jeweilige Verstandeskraft zu repräsentieren wüsste. Sie sind derart (Subjekte), weil sie von einem jeweils nur so synthetisierenden Bewusstsein konstituiert werden; solchermaßen könne es freilich nicht nur eine (privilegierte) Vernunft geben, als diese nur bloßen und atomisierten Verstandeskräften zu unterfallen weiß (Hegel): Vernünfte. Das hier nachgespürte Paradoxon durchschlägt Nutzen, behauptet sich, ist unbeeindruckt von einer die Subjekte übergreifenden Nutzenmaximierung oder sozialistischen Vergesellschaftung, wobei jene ihre Vernunft stets (und nur) im Setting eines sich an bestimmten Prinzipien informieren Müssendes, unhinterfragt zu spiegeln hätten.
Ein hierin zum Widerstand sich selbst befähigendes, in diesem Punkt maßstabsloses „Urteilen“ (vermittels sich ein Konsummotor bei den Verbrauchern umzustellen wüsste) ermöglicht beispielhaften Konsumverzicht des Individuums, (es) wäre derlei nicht anfällig für jene eine die jeweilige Bereichs- oder Adverbialnormativität transponierende Wirklichkeitsbeschreibung, die sich an den Ansprüchen neoliberaler oder sozialistischer Funktionsbeschreibung zu informieren hätte, d.h. je der zugelassenen, ins Werk gesetzten Vorherrschaft von bestimmten gesellschaftlichen Zielen zu genügen. Und es hieße nicht weniger, dass sich solcherart eingeprägte, normativ sprossende Selektoren in einem hier nachgespürten „Urteilen“ gar insoweit vollends verunmöglicht zu sehen hätten, als Informationen erst gar nicht in komplexeren Präsentationen aufzugehen bräuchten.

Solcherart verschiedene "Gerechtigkeitsvorstellungen" encodierendes (einer eigenen minimalkategorischen Auffassung von Fairness genügendes) Bewusstsein ermöglicht nur deren selektiv ausdifferenzierende, „vorentschiedene“, also konkret nachsuchende Verarbeitung, als jene lediglich oder vorrangig eigene Standpunkte/Sichtweisen, sympathisch akzentuierend, innerhalb vorhandener Informationsvorräte einpflegt. Anerkenntnis, das sich synthetisierender Suche schuldet! Die Kontrapunkte Werturteil und Rationalität sind nicht unmerklich vergleichbar mit solchen eines sthenischen (Kraft) oder asthenischen (Schwäche) Affekts und Rationalität: eigene Moral, monolithische Religion. Ein schon stoisch (freilich nicht programmatisch) anmutendes, an zugelassenen Vorräten informierendes oder informiertes Entscheiden, das eigenen Verlust, eigenen Schaden zu sublimieren, hinzunehmen, uneigentlich vollends zu neutralisieren weiß, das als „Best practise“ keinem Primat das Wort zu reden scheint, das eine beispielhafte Inhaltlichkeit einer Bibel, eine wissenschaftlich durchdrungene Ideologie oder die ungesehenen Kräfte einer „unsichtbaren Hand“ nur als menschliches Erfahrungswissen zureichend beschreibbar werden ließe, das weder einer Dekadenz eines Messianismus noch einer sonstigen versicherheitlichtenden Bewältigungsstrategie aufzuruhen hätte. Was würde es zuallererst bedeuten, eine Auffassung von Fairness seiner begrifflichen Synthetisierung zu überantworten?

Der Hervortritt des Subjekts: 'exsistere' (=) hervortreten, auftreten, hervorkommen.

Benannt soll es werden als Spontanaustritt des Subjekts, als es sein (Her-)Vortreten ist, aus vorgezeichneter, vorzeichnender gesellschaftlicher Substanz, der (seine) aktivische Negation des objektivierbaren Raums derart eingeprobter Fairness postulieren will: Es sucht die Entsolidarisierung als notwendige Vorbedingung sich neu gründender Solidarität mit nicht erprobter, anderer Fairness. Das so entblößte endliche (Einzel-)Subjekt stellt sich nicht in das Abseits einer objektivierbaren Äußerlichkeit von Gemeinschaft, es positioniert sich nunmehr wider einer Vermittlungsmühe zwischen reiner unsterblicher (repetitiver) Äußerlichkeit gesellschaftlicher Körper und dem Subjekt: Es wendet sich gegen den vorherrschenden Geist von Intersubjektivität, die sich im Dienste einer Versöhnung zwischen einem Subjekt und dem so von ihm negierten Raum wähnt; der es zugelassen beschieden werden sollte, Sorge dafür zu tragen, zu verhindern, dass ein negierendes Subjekt seinerseits der unbarmherzigen Negation einer „ersten Natur“ gemeinschaftlicher Verfasstheit ausgesetzt würde: Die Intersubjektivität als sie als eine vermittelnde „zweite Natur“ von Gesellschaft auftreten soll, die eine hegel'sche Negation der Negation zu hintertreiben sucht, die (Gesellschaft) Rache am Subjekt zu üben weiß (indem Gesellschaft subjektivische Negation selbst zu negieren hat), wird von diesem herausgefordert.
In welches anfängliche Setting sieht sich das Subjekt des Hervorkommens, das den objektivierbaren Raum von Ordnung zu negieren sucht, eingelassen? Es ist eine wilde, unabgeschlossene, nicht beschriebene als bis dato nicht beschreibbare Negativität, eine Entäußerung der anerkannten Ordnung solchermaßen objektivierbarer Fairness (die derart auftretendes Negierendes ihrerseits zu negieren sucht), die begehrtes und nachgesuchtes Objekt ist; die gleichsam erforderliche Nicht-Akzeptanz eines bestimmten So-Seins von normativer Konstitution in der Ordnung, die sich nur in neuer Akzeptanz überantworte ließe, wenn sie neu vermittelt werden kann, verkapselt sich in einer irreduziblen Symptomatik: der bloßen Leistungsbegrenzung normativer Ordnungen, die sich einer stets Ihnen widerstreitenden, formativ kontrastierenden menschlich wirkenden Bewegungswirklichkeit verdankt. Die Vermittlungsmühe (als sie sich beispielhaft als ein Verständnis evangelischer Prädestination bedeuten würde) oder eine souveräne Entscheidung (wie sie als genialische Dezision bei Carl Schmitt aufzutreten wüsste) zwischen einer normativen Ordnung und ihrer nur menschlich wirkenden (Gegen-)Wirklichkeit erschöpft sich solchermaßen, sprich im Bedingungseintritt eines derart vortretenden/heraustretenden Subjektes, nicht länger in einer rückübereignenden oder rücküberantwortenden Überbrückungshandlung eines Souveräns oder eines Christus (oder durch einen modernen Katalysator, der Intersubjektivität hieße), die gleichsam durch ihre Vermittlung zuvor menschlich oder subjektivistisch negierte Ordnung, wiederherzustellen, zu verschalten wissen, sondern im Subjekt (Der Zeitpunkt der Rückübereignung ist das ontisch verunreinigte Moment, in dem bloße normative Ordnungen überhaupt erst funktionabel werden können). Es ist das Subjekt der abweichenden Aussage (Heraustritt aus der Ordnung), das sich selbst nicht länger als ein Subjekt des Aussagenden, in der Ordnung zu inkludieren vermag (Verbleib in ihr), das sich trotz autologischer Kritik an ihr (was den Normalfall einer paradoxierten Inklusion spiegeln würde), tatsächlich aus ihr zu exkludieren sucht.

Die Stabilität eines relativen, zumindest sichtbar abgeschlossenen Signifikats, die einer Ordnung normativer Elemente zugestanden wird, ist realiter allenfalls bloßes Element neben seinen, ihre Signifikanz nur konstituierenden Elementen, sie ist nichts anderes, schon gar nicht das Eine oder ein Ganzes, die für vieles stehen dürfen. Ein hierin sprossendes, in allgemein sympathisch akzentuierte Herrschaft gesetztes symbolisches Element intersubjektivischer Fairness degradiert sich freilich nur zu einem partikularen Fragment innerhalb eines Elements, das es trotz und eingedenk seiner durchschlagenden gesellschaftlichen Gravidität zu einem bloßen Element seiner selbst (neben anderen) umzustellen weiß.
Das Subjekt des Hervortritts hingegen, als es schon nicht länger Individuum sein kann, sucht derweil im Gewusel der Elemente nichts, es will (nicht unmerklich uniformiert der eingeübten Elemente) das Nichts, einer anderen Auffassung von Fairness nachspüren, weil nur ein nachgesuchtes, ein auch schmerzlich selbst-bewusstes Nichts, Freiheitsbetätigung solchermaßen erst zu ermöglichen weiß (Eine Entkleidung von dem, was Intersubjektivität einem Subjekt in normativen Ordnungen zu vermitteln wüsste, verkapselt sich in der Frage, inwieweit maßstabslose Urteilskraft denkbar werden könnte?). Die Gegenwart von Nichts ist eigentliche Freiheit. Die Befindlichkeit des hervortretenden Subjekts, die derart eine egologische Situation gerade nicht einpflegt, aus einem synthetischen Vorrat encodiert, überführt es aus dieser soweit nicht existierenden heraus und zwingt es, neue Narrative (nicht weniger Erzählungen) von Fairness zu erzeugen, sich seiner einstigen Limitierung intersubjektiver Normativität zu entziehen. Das so geförderte subjektivische Nichts als es im Rahmen geschichtlicher Transformation durch einen üblicherweise historisierten Bruch befördertes ist, erkennt im Bruch des oder mit der sukzessiven, temporalen Brechung eines Davor formlose Auffassungen von Fairness (durch die Daraufsicht auf eine altes Narrativ wird es im Bruch überhaupt erst möglich, sich der Bedingungen des Daraufsehens bewusst zu werden), weil ins Werk gesetzte, eingeübte und abwehrbefähigte Kontinuität im alten Konstituens, die standhaft Brüche in seinen Narrativen überbrückt, sukzessive in radikalere Brechung einzumünden, sich als Formation selbst zu begreifen beginnt; eine kumulative Zäsur, die verflüssigte, geschichtliche Formation gemeinhin konsensual in einer monolithischen Begrenzung umstellt, fortan sozusagen als Epoche abzuwickeln wüsste, braucht Vergangenes, eine Renaissance nicht unmerklich den zweiten Bruch des Vorvergangenen (die Antike), um ein Mittelalter einhegen (zu umzingeln) zu können. Damit befände sich ein hier bemühtes, profanes Beispiel (Fairness) für gewöhnlich im Bedingungseintritt von geschichtlicher Transformation oder an deren Ende: jedoch, die allgemein als zureichend akzeptierte historisierbare Brechung, als sie den unvermeindlichen Rückblick (oder gar ein verdoppelter im Fall einer Renaissance) erforderlich werden ließe, verunmöglicht unterdessen die hier soweit unterstellte Bewegungswirklichkeit eines hervortretenden Subjekts, jene vermag sie jedenfalls nicht notwendig aufklären zu können. Denn bricht jenes derart radikal nicht nur im und mit dem Jetzt (des Rückblicks), sondern spürt einen soweit notwendig werdenden additiven Bruch im Zukünftigen, der in ihm (im Subjekt des Austritts) gegen solchermaßen gewöhnlich projektivierbaren Verlauf introspektiv aufzubegehren sucht (also ausdrücklich wider einer mechanischen Überantwortung von Leistungskraft einer mehr oder weniger konsequent umgestellten normativen Ordnung und ihrer Vermittlungsebene, der Intersubjektivität), der gegen einen scheinbar gesponnenen Faden eines zukünftigen Verlaufes, wie er im konzertierten Jetzt langsam zu kondensieren scheint, dann bedeutet es sich selbst nur im Nichts: Es entfernt sich sozusagen gleichsam und schon wieder von der Intersubjektivität; es setzt im Bruch des Rückblicks im Jetzt zeitgleich eine Bruchlinie im Zukünftigen (es ist die gegenteilige Technik des Subjekts der Renaissance).

Es ist seine zunehmende Befähigung, originäres Verlaufsmonitoring, das beispielhaft durch eine global sprossende Möglichkeit von Kommunikation eingeübt und eingeprobt, nicht minder schon ausdifferenziert erscheint, insoweit zu bestreiten, als jenes als eine stets das zukünftige Werden allenfalls vexierende Trope entlarvt werden kann, die gemeinschaftliches oder gesellschaftliches Wollen eben nur im zugelassenen und zugrunde gelegten Setting zu erklären weiß: Projektive Zu-kunft, die im Jetzt schon in ihrer Verunmöglichung zu paradoxieren weiß. Denn das hervortretende Subjekt vermag nur dann selbst aus seiner vorgefundenen Menschenwelt auszuscheiden, wenn es in einem additiven Bruch im Zukünftigen, das Autologisches im So-Sein des Jetzt projektiert, sich selbst eben auch anders zu bedeuten wüsste; denn nachgerade solcher Radikalität gelänge ihm solches nur,indem es beispielhaft ein konzertiertes (bereits heute zwingend zu Ende gedachtes) Know-How überantwortet, vermittels dessen nicht nur theoretisch ein Lebensraum Erde gerettet werden könnte: Radikales Wissen, das de fakto unbedingter Anwendung anheim zu fallen hätte, fällt realiter allenfalls in reduktive Anerkennungsverhältnisse gemeinschaftlichen (globalen) Wollens zurück. Die ant(e)zipatorische Zukünftigkeit paradoxiert im zeitgenössischen Subjekt des Austritts, das vorliegend nicht minder als das Subjekt des zweiten, des additiven Bruchs gelten sollte!

Das Kontinuum der vergangenen Logiken (im oberbegrifflichen Narrativ einer historisierbaren Epoche) hingegen überführt sich in ein Unverständnis, spürbar in ein Unvernehmen seiner Endlichkeit: Das hervortretende Subjekt des zweiten Bruchs sieht sich im Bedingungseintritt der aufbrechenden Narrative allerdings irreversibel dazu genötigt, nicht nur die Formen des Zurückliegenden „eigenhändig“ zu bestreiten (die eigene Epoche als Neues oder Modernes durch ihre Situationsbeschreibungen zuzulassen und in ihrem Selbstverständnis zu begrüßen); es versieht sich auch einer Eindrücklichkeit, dass ein Gegenwärtiges, das herkömmlicherweise ein zukünftiges Wollen zweifelsfrei zu programmieren weiß, nur insoweit der Logik vergangener Kontinuität (der Narrative im Davor) zu unterfallen weiß, als ein Bruch überfällig in den freilich überkommenen Logiken unterbrechender Formation allenfalls retroaktivisch aufzugehen scheint: Eine neue Epoche erwächst solchermaßen nur in zeitkontextualen Narrativen, in der Mühe neuer Begriffssuche! Der Blick, den das Subjekt im Heraustritt wagt, erweist sich aber als ein hypnotischer Blick der Zwingung, dem es sich nicht erwehren könnte (Der repetitive Blick auf die Brüche der Umstellung ist sozusagen unwiderstehliches Anreizsystem der Zeitgenossen; ist Hingucker für die Erzwingung einer neuen Ära, der es sogleich wieder die Gefolgschaft aufzukündigen sucht). Ein Zurück in den restaurativen Besitzstand („Die gute alte Zeit!“) verunmöglicht sich jedenfalls immer. Der vermessene, hiernach additiv zu apostrophierende Blick im Zukünftigen, den sich das Subjekt des Austritts erdreisten will, versetzt das Selbstverständnis einer sich konsolidierenden, epochalen Zäsur in einen sie fortgesetzt verflüssigenden Aggregatzustand: Es will – wie der Mensch der Renaissance vermittels seines zweiten Angelpunktes: der Antike – Epoche nicht Epoche sein lassen; nachgerade benötigt es die technische Brechung in einem Zukünftigen (nicht im Vergangenen wie im Fall der Renaissance) als alternative Situationsbeschreibung von Aktualität und angedachte, projektive „Moderne“, weil auch nur jenes in Erzählbarkeit zu unterfallen wüsste: Eine Subjektivität, die aus einem Raum des Objektivierbaren, aus der „Ordnung der Dinge“ heraustritt, ist solcherart niemals zureichend darstellbar, sie kann nicht den Regeln von Erzählbarkeit gehorchen wie es eine Intersubjektivität zuließe. In ihrer konstitutiven Ermöglichung ist sie schlichtweg abhängig von den Reziprozietäten jenes Raumes, der sich gleichsam ihrer Ermöglichung selbst als ein abstrakt-genereller Raum der Dinge überhaupt begreifen ließe. Endlich vermag sich ein Subjekt erst durch diesen eine Intersubjektivität übersteigenden Movens von dem es umgebenden Raum spalten. Es ist Spaltung, die ihre Begrifflichkeiten nachgerade evoziert, die einer Subjektivität, gleichsam einer Objektivität erst ihre Namen zu vergeben sucht und schlussendlich wüsste (Repräsentation). Und weithin ungeklärt bleibt dabei, ob beide eingedenk ihrer Unterscheidbarkeit eine gleichberechtigte Kasuistik oder Anfänglichkeit kennen, die eine bidirektionale Gleichheit ihrer Kräfte ausweisen könnten. Seltsamerweise wird jedem Subjekt eine scheinbar unüberwindbare Trennung von Subjekt und Welt bewusst, beides gesamtveranlagend zu denken, gelingt ihm nicht.

Die Entwöhnung gleichsam von einer Intersubjektivität (angewandte, in Herrschaft entlassene Empirie) und Objektivität (Methode und Modell) stellt das Subjekt des Hervortritts nicht unmerklich zu einem Subjekt einer berechtigten Methodenfreiheit um; es büßt zunehmend das Mitbewusstsein von den Signa verwissenschaftlichter und alltäglicher (bewegungswirklicher) Methode ein: Nicht minder gar unbeeindruckt von zwingender Verstetigung und Versicherheitlichung von Wissen, durchschlägt es aktualisierte (oder projektierte) Gewissheit mit dem Vorwurf einer Mystifizierung von Wissen. Das beschränkte Subjekt der sogenannten Moderne entzieht sich schließlich nicht zuletzt gehorsam der Unmittelbarkeit von Wirklichkeit: es überführt sich selbst nur durch eine Welt von Zugangspunkten der Mittelbarkeit (zerronnener Medien) in eine Welt als menschlich wirkende Wirklichkeit, die nur mittelbar durch Modelle erklärbar sein darf. Hervortreten: Feilgebotenes Wissen im Verbrennungsmotor bestrittener Wahrheit und Methode, was das hervortretende Subjekt zum befreiten, unbewussten Interpreten von dominierender, deutender und einer nachgerade bewussten Interpretation aufsteigen ließe, das eine Erzählbarkeit von Modellen selbst-bewusst, alternierend zu nobilitieren und nicht minder zu verwerfen weiß; in seiner Hochform es gar vermögen sollte, solchermaßen gleichbedeutend, einem Empirismus und einem beispielhaften Kreationismus das Etikett des Mystischen verleihen zu können. Das darf es, nicht weil es selbst nicht weniger nur mystifizierendes als mystisches Wissen entgegen zu werfen wüsste, sondern, weil es jenes ohne monolithische Gewissheit einer Ordnung zu perpetuieren versteht. Es soll einem Vorgängigen einer bewussten Interpretationsmühe von Welterschließung nachsuchen, das jenes zwar qualitativ zu untersteigen, anderes wie ein profanes Verstehen aber deutlich zu übersteigen wüsste: Dass solchermaßen das, was menschlich wirkende Wirklichkeit sei, nur durch Interpretation oder durch Struktur und Differenz ist und das, was ist, nur durch logisch fragmentierte Interpretation sein kann, überantwortet Interpretation selbst (Bewusstsein als Relation) und ihr derart unterstelltes Vorgängiges (Bewusstsein als Phänomen) in einen gegenseitgen, unüberwindlichen Regress. Was sollte ein derartiges Additiv denkbar werden lassen, das zwischen einem profanen Verstehen und seinem (be-)deutenden Intepretieren detektiert werden soll? Und zu welchem Zweck (als es wohl erfunden, weniger vorgefunden werden würde)?
Das Subjekt des Hervortritts (Austritts), das ohne Verschleifungsgehalt von Medien, den Mitteln der Mittelbarkeit von Welterklärung, ihrer Ansprüchlichkeit von vordefinierter und vordefinierender Interpretationsmühe, noch nicht hinantzufallen scheint, erwächst in einem Produkt von Vorgängigkeit interpretativer Gewissheit, das nicht minder in letztlich auch schon vollendeter Struktur, unbewusst Ausdifferenzierung ohne zwingende Erklärbarkeit zu verstetigen meint. Nachgerade einer ehedem schon purifiziert-archetypischen Problematik von Gegebenheiten im Gegebenen (Warum ist die Welt gerade so?) ausgesetzt, eben nur im So-Sein der Wirklichkeit, in der jenes vorzeitig (ontisch, ästhetisch) verunreinigt wird, erscheint das Subjekt als ein unterversorgtes Ich. Jenes darf sich nur in einer Unmittelbarkeit von Welt und nur in derlei Gestalt wähnen, als mittelbare, mediale Repräsentation als Transmitter, Bewusstwerdung von Welterklärung erst zu ermöglichen schiene; solchermaßen erscheint jede Bewusstwerdung letztlich imaginiert, weil sie Gegenwärtigkeit nur durch Vergegenwärtigungsakte zu erzeugen, eingeengt, auf eine spezifische und iterative oder eingeübte Bewusstwerdung von etwas auf etwas zurückzufallen weiß. Es geht also um den Movens, der einem Bewusstwerdung bewusst werden lässt, als er derlei (nur bewusstgewordenes) Gegebenes zu bewirken meint – mehr scheint menschlich wirkende Wirklichkeit zunächst nicht zu sein: Solche Bewusstwerdung reagiert retro-effektorisch als ein zurückgestuftes Bewusstsein, das sich einer synthetisierenden Komplexierung entledigt wissen darf.

Vorgängiges Bewusstsein. Was lässt es werden (und) wo ließe es sich in seinem Denken nachgezeichnet wissen?

Sichtbar geben sich für den interessierten Leser Antworten auf, die sich bei Lambert Wiesing und Thomas Reid ablesen, soweit sich diese in der Invention moderner Philosophie, im cartesianischen Stiftungsakt selbst, verorten ließen: phänomenale und intentionale Zustände bei Wiesing oder "Situation" und "Perception" bei Reid, ein fundamentum incocussum, das umgestellt wird vom ego cogitum (phänomenologischer Cartesianismus; Substanz) zu einem cogito ergo cogatium (intentionaler Cartesianimus; Relation. Beide versehen sich dazu in der Lage, Zustandswirklichkeiten als notorische Umschaltungen zwischen einem sich selbst bewusst sein und Sprache erklärbar werden zu lassen.

Ein nachstellendes, phänomenales Bewusstsein von etwas auf etwas im und vom Subjekt des Hervortritts (das intentionale Fremdkörper zu detektieren, auszuscheiden weiß) entledigt sich mit einer selbst-veräußernden Versprachlichung seiner Potentialität, vielleicht seiner Purifizität; es verbleibt nur insoweit im eingehegten Bewusstseinszustand von progressiver Erkennntlichkeit und Verständlichkeit (Voranscheiten des Subjekts), als es nicht zwingend in Sprache überantwortet wird, werden soll oder muss, was gleichsam einen Rückbau (Zurücktreten des Subjekts) in eine Verwissenschaftlichung unvermittels zu evozieren oder zu befördern wüsste: Es (phänomenales Wissen) wäre nachgerade seiner Entlassung (in die Versprachlichung) dann „nur“ intentionales Bewusstsein, das einer degradierenden Willkür demokratisierender Sprache im Zwischen der Sprechenden ausgesetzt würde, vehement ihrer transponierenden sprachlichen Urteile bestritten, nicht minder veruneinigt schien. Solchermaßen hieße Hervortritt (Austritt) des Subjekts zunächst und eingedenk eines ihm unterstellten phänomenalen Bewusstseins gerade nicht, versprachlichen zu müssen. So quittiert es sich hierdurch nicht selbst als ein bloßer Träger von Wahrnehmungen, sondern als ein von einem begriffslosen, dilemmatorischen Bewusstsein Getragener, der in seiner bloßen Zwingung zur Wahrnehmung, sprachlichen Urteilen zunächst nicht genügen braucht. Aber will es nicht minder und auch, geradezu gleichermaßen zielführend nach sprachlichen Urteilen streben, solchen sprachlichen Urteilen eines intentional angeleiteten Bewusstseins im versprachlichten, disponiblen Zwischen nachspüren, in dem sie minimalkategorisch und konsensualisiert zu verfestigen wüssten: Im Raum demokratisierter, weil in mannigfaltige Versprachlichung übereignete Sprache. Verunmöglicht es sich jenes aber nachgerade einer Suche versprachlichter Urteile, die ihr zunächst nicht intern ist, nicht, weil es (als fragwürdiges phänomenales Wissen) gar nicht Wissen von etwas zeitigen kann, und entledigte es sich doch eingedenk sprachlicher Urteile seines durchschlagenden gerade nicht-versprachlichenden, phänomenalen Konstituens. Die Gewissheit eines Wissens von etwas über etwas; sich sicher sein können, zu wissen, was nicht die Anforderungen von Wissen erfüllt, ist eine Zumutung für das Subjekt, und nur wenn es ihm derlei in einer Gezwungenheit zur Wahrnehmung zugemutet wird, ist es Gewissheit von etwas, nicht Wissen von etwas.

Die Verunmöglichung zur Versprachlichung in ein sprachliches Urteilen zu überführen: Phänomenologisches Wissen im Erschöpfungszustand bloßer Gebrauchsanleitung von Sprache. Ein Angelpunkt des Beschreibens von etwas, das zu versprachlichen sucht, ohne versprachlichen zu dürfen, will es seiner konstitutiven Vorbedingung nicht verloren gehen! Unlängst in seinem Denken in Gestalt der antiken, nicht zwingend prominent besetzten, als neuzeitlich adaptierte von Lambert Wiesing aufgenommenen Protreptik: Sprechen und Schreiben, um urtümlich phänomenales Bewusstsein der Erkennntlichkeit und Verständlichkeit beim Hörer oder Leser als bloße Selbst-Bewusstwerdung, als Nachvollzug im Rezeptionsakt reproduzierbar werden lassen zu können (ungleich einer persuasiven Performanz, die sich schon im Zustand einer feilgebotenen Versprachlichung eines phänomenologischen Wissens befinden würde, also intentionales, wissendes Bewusstsein zeitigt, voraussetzt und benötigt). Ein protreptischer Anspruch in versprachlichten Urteilen (mehr darf phänomenologisches Sprechen und Schreiben nicht einlösen!) muss sich selbst in einen inversen Konstituens überantwortet wissen lassen, in dem nicht länger nach den subjektiven, wie gesehen, modelbasierenden, empirisch-induktiven oder logisch-deduktiven Kontingenzen von Wahrnehmung gesucht werden darf (Soziologie, Psychologie etc.), sondern nach Auswirkungen einer bloßen Wirklichkeit von Wahrnemung im Subjekt, was hiernach und beispielhaft, Wahrnehmungsobjekte wie materielle Gegenstände oder wie Anschauungsformen wie Raum und Zeit (Kant) fortan als derengleiche 'Eidetische Variationen' (ohne weitere invasive Fremdkörper) experimentell und iterativ in einem hermetischen Gedankengang frei zu sprossen suchen. Ein grobes Vorbringen, das Husserl zu bestreiten wüsste, der es soweit als bloße selbstgewisse (doch Gewissheit werdende, weil nachgesuchte) Relation kennzeichnen würde, als es schlichtweg schwer zu sagen sei, inwieweit es überhaupt apriorische (purfifiziert protreptische) Strukturen geben könne (Husserl findet hierfür den Begriff des „Wesensverhaltes“, den er allenfalls vom Begriff des Sachverhalts abzugrenzen wüßte). Für ihn bleibt derlei propositionales Wahrnehmen Wahrnehmung, die mit Überzeugung inferiert, wenn beide auch nicht gänzlich (somit schwächer) zu interferieren wüssten. Husserl würde unser Subjekt des Hervortritts sehr wohl in eine Bedingung überführen können, in der das Subjekt insoweit über Wahrnehmungen verfügen soll, als es schlichtweg Wahrnehmungen von etwas (das dritte Relatum ist das Wahrnehmungsobjekt) hätte; es bedeutet sich zwingend in eine Relation, in der ein solchermaßen Habender von etwas (von Wahrnehmungen) autark von der Relation beschrieben werden könne. Im gegenläufigen Modus einer Nicht-Trennbarkeit der beiden Relata (Wahrnehmungs-)Subjekt und Wahrnehmung erschöpft es sich hingegen als Subjekt, das nur wahrzunehmen weiß: Es hat sie (die Wahrnehmung) nicht; entlässt es sich selbst als wahrnehmendes Subjekt, trennt es sich von seiner Wahrnehmung, überantwortet es sich selbst in die Feilbietung verwissenschaftlichter Konstruktion (es verwässert als Spekulationsobjekt von Methode und Modell). Ein Sich-selbst-Erkennen in derlei dargebotener als abgetrennte Wahrnehmung exemplifierbare Subjektbeschreibung erklärt dem Wahrnehmenden nicht, was Wahrnehmung ist; „(...) dadurch, dass ich denke, weiß ich eben nicht, dass ein Ich existiert, sondern nur, dass es mich gibt. Denn ich selbst erfahre mich nicht als einen Gegenstand, sondern jedem Gegenstand gegenüber gibt es mich als dasjenige Subjekt, dem etwas ein Gegenstand ist. Mehr weiß keiner von sich.“

Es drängt sich als solches auf, eine bloße Obligation phänomenaler Gewissheit von etwas Unfairem (Zustand), die gerade ohne ein Wissen darum gewahr werden kann, zuzulassen. Endlich weiß man eingedenk ihrer ja gerade nicht oder nie, dass es (etwas) tatsächlich unfair ist, nur weil es den Formen des Wissens erst gar nicht zu unterfallen wüßte! Solchermaßen Unfaires, was dort unter Umständen im Sinne gesetzlicher Primate, rechtlicher Mehrheitsauffassung oder schwächer, inkulturierter (geronnener) Wertekonsense als fair aufgefasst, mit den Mitteln des Wissens zu Fairem umgestellt werden könnte, unterliegt nur solcher Gewissheit, die in ihrer jeweiligen Anwesenheit gerade nicht von demjenigen in neue Wissensformationen bedeutet werden, der diese (phänomenaler Nachvollzug) Gewissheit schlussendlich nicht erwerben konnte, ihren Nachvollzug nicht herzustellen weiß. Letzteres überantwortet sich also nicht in das solchermaßen hier nachgespürte Ja (etwas ist unfair), vielmehr ermöglicht jenes sich gleichsam in dem Nein oder dem Aber, als es „wissend“ zu potentiell ontisch bereinigtes Faires variiert werden könnte. Ein unbezweifelbares Sicheres in der Gewissheit von etwas Unfairem, was demnach mit den vorgestellten Mitteln des Wissens leicht bestritten werden könnte, erfährt das bloß wissende Subjekt soweit jedenfalls nicht. Subjektive Gewissheit solcher Art (einzig Phänomen) ist anders als diejenige, die ein in actu nicht im eigenen Nachvollzug befindliches Subjekt (Phänomen und Wissen), wie gesehen, nachgerade nur dann „haben“ könnte, indem es auch um sie wissen kann; gleichsam verunmöglicht oder blockiert es sich aber als ein Subjekt des Hervortritts, eines Austritts, weil es sozusagen folgsam insoweit im „Wissen“ zurückzustehen hat, als es (nunmehr) im Außen eines Hervortritts, sprich in seinem (jetzt) gleichbedeutenden Innen verbleiben kann. Infolge formativer Zwingung in und zur Wahrnehmung von Weltzustand (Zumutung) vermag ein bloß Wahrnehmender kein Wissen vom endlichen So-Sein von und über etwas wie Welt (und ihre Materialität) gewinnen; es überbrückt phänomenale Gewissheit von etwas in einen Möglichkeitsraum, in dem sich neue kollektive Bewusstseinszustände in alleiniger menschlich wirkender Wirklichkeit, den Weg in eine Umstellung von Welt zu bedeuten wissen, als ein notwendig werdender Überstieg von Formationen „wissender“ Gehaltsbegriffe. In einem Zeitpunkt, in dem Wissen von und über etwas durchaus suspendierbar erscheint. Denn, eine Wahrnehmung muss nachgerade nicht inferentiell mit dem simultanen Erwerb von Überzeugungen, multipler Informationsverarbeitung (ungeordnet als eidetische Variationen) zusammenfallen. Zwingend verbunden bleibt sie nur mit der Zumutung, wahrzunehmen, als sie nur eingedenk einer ontologischen Gleicheit aller Dinge, in einer materiellen Welt überhaupt auch nur als dessen nachgeordneter Teil zu existieren wüsste.

Es soll weder dem bewegten, dem solcherart beeindruckten Subjekt in das klassische Bild einer „Wachstafel“ verholfen werden, in dem sich das solchermaßen Austrahlende eines Objekts im Etwas der Wahrnehmung beim Subjekt einprägt, einbrennt (Eindrucksbeziehung), noch einer Metaphorik einer Emanation anheim fallen, innerhalb derer das Da-Sein (auch schon das So-Sein) des Wahrgenommenen vom Subjekt, dem Wahrnehmenden auszugehen habe, als es eine mittelbare Folge subjektiver Informationsverarbeitung nachzeichnen würde (Ausdrucksbeziehung). Gleichsam evoziert sich endlich und in jedem der beiden Fälle die Notwendigkeit, dass eine Gleichsetzung von Intentionalität und Gerichtetheit vorkommen muss (denn, beide Relata müssen in äquivalenter Intentionalität und Gerichtetheit gründen); Bewusstsein ist hiernach Vorkommnis als ein räumliches Vorgehen. Jenem wäre je allerdings entgegenzutreten, als ihm vorliegend nicht gefolgt werden soll. Vielmehr soll einem Nachvollzug kupierter Wahrnehmung nachgespürt werden, der sich einem zeitgenössisch obsiegenden Selbstverständnis der Mittelbarkeit, seiner Konstituense intentionaler Eindrucksbeziehungen oder ihrer äquivoken Emanation im Subjekt zu entziehen wüsste – als jene zugelassene, irgendwie transzendente Varianz menschlich wirkender Wirklichkeit reklamieren wollen. Als für zeitgenössische Auffassungen (wie eine Transzendentalphilosophie oder eine Psychologie) allenfalls als eine kupiert aufzufassende Wahrnehmung, soll jene sich in dem Sinne deklarieren, als ihre inverse Relation gegenteilig einer Intentionalität und Gerichtetheit durch eine bloße Quittierung des ihm zugrundeliegenden Phänomens zu fassen wäre: Die Intentionalität der Wahrnehmung sei hiernach nur durch partizipative Teilnahme eines Subjekts in und an einer Relation begreifbar. Das Subjekt wird Relatum, indem es mit dem zugemuteten Etwas des Wahrgenommenen Gegenwärtigkeit in der Welt teilt – anderes kann einem Wahrnehmung nicht näher bringen. Die Alternativlosigkeit geteilter Gegenwärtigkeit in einer materiellen Welt, die das Subjekt mit bloßer Materialität von Dingen in der Welt zusammenzuschalten weiß, die es derlei auch ohne jenes nachsuchende Subjekt geben muss, versorgt es mit widerständigen Objekten (Hindernissen) in einer solchermaßen kontinuierlichen Welt: Das Fatum vorenthaltener Phantasie, das ein Subjekt repetitiv und beharrlich in seinem Bewusstsein herausfordert, widerständige Objekte in einer materiellen Welt überwinden zu müssen. Dass derlei ein Subjekt dazu verdammt ist, in einer von seinem Bewusstsein unabhängigen Welt gegenwärtig zu sein, ist eine Folge von Wirklichkeit von Wahrnehmung. Ein Subjekt ist nicht, weil es Wahrnehmungen hätte (als Schluss von Intentionalität und Gerichtetheit von Wahrnehmungssubjekt und Wahrnehmungsobjekt), sondern es wird einzig durch die Zumutung von und durch eine Zwingung in Wahrnehmung affiziert. Eidetische Variationen, die durchaus Wissen fortschreiben, können hernach zuallererst nicht wirklich sein (beispielhaft die naturalistische als neurowissenschaftliche Auffassung, die es rubriziert wissen möchte, dass ein Glaube an den freien Willen durchaus eine Illusion sein könne, als jene auch nicht unmerklich ein bloßes imaginiertes Bewusstsein von etwas oder über etwas einzuüben sucht). Es ist das kumulative Setting, in dem das Subjekt in Gleichheit aller Dinge nicht nur zum Teil der Welt degradiert, sondern auch dazu herausgefordert wird, ein Bewusstsein zu ertragen, derlei Wahrnehmendes sich nicht ausgedacht haben zu können. Schriebe sich letzteres heraus, nimmt das Subjekt das, was gegenwärtig ist, jedenfalls nicht wahr. Wahrnehmen heißt demnach, insoweit Teil von Wirklichkeit zu sein, als das Subjekt Anwesenheit mit materiellen, stets widerständigen Dingen teilt, für deren Gegenwärtigkeitsbewusstsein das Subjekt nicht selbst Grund oder Ursache sein kann.

Ein exkursiver Schritt zurück: Eine solcherart hier nachgespürte Gezwungenheit des Wahrnehmenden überführt sich nach allem in die Anfänglichkeit seines Konstituens: Wie vermag ein evolutionärer Prozess per se sich(selbst-)bewusste Organismen, die ein Nervensystem herausbilden, überhaupt hervorbringen und warum? So scheinen dem synthetisierenden Bewusstsein weithin ungeklärte und inkommensurable Ideengeschichten zur fortgesetzten Klärung aufgegeben, die nur kursorisch vorgestellt werden sollen. Schlussendlich sind jene Synthesen, die ein hier Gegenständliches, ein vorbewusstes Hervortreten des Subjekts im additiven Bruch erst zu befördern helfen wüssten; evident dadurch, dass scheinbar protomentale Elemente einer Evolution irreversibel intern zu sein scheinen, die gleichsam ein Vorbewusstes und eine aufruhende Intentionalität im Bewusstsein, den Weg in Existierendes, in sein jeweiliges Denken bedeuten könnten.

-Die reduktive und/oder emergente Evolutionstheorie als sie als historisch-kausaler Reduktionismus aufgefasst wird: Der Bedingungseintritt bewusster Organismen verdankt sich hiernach einer Emergenz oder des Zufalls, die sich in der Faktizität ihrer letztgültigen Erklärung, in dem bloßen, reduktiv historisierbaren Vorhandensein elementarer Bestandteile eines materiellen Universums zu erklären wissen, als sie sich auch in ihrer Genese, zwei Erzählungen zu bedienen sucht: der Kausalität eines Universums und der Emergenz eines bewussten Organismus. Ein unzureichender, aber wenig bestrittener Anspruch auf Richtigkeit.

-Die subjektivische Intentionalität in den höherstufigen Komplexen bewusster Organismen, die für die Existenz eines Gottes oder natürlichen Designers streiten, die um prototypische Elemente in einem kosmologischen Baukasten wissen und jene einsetzt, bewusste Organismen zu designen) – Universum und bewusstse Wesen als Folge eines schöpferischen, keineswegs kreationistischen Möglichkeitsraumes konsistent erklärbar.

-Ein teleologisch-protomentales Verständnis, das eine Evolutionstheorie erweitern könnte, das bis dato (anthroprozentrisch) ungeklärt bleibt oder von Menschen in seinem Denken verunmöglicht scheint, weil es einen Grund mit etwas ungeklärt Grundlegendem zu erklären hätte, was rätselhaft bliebe, letztlich aber unerlässlich wird, Universum und einen Überantwortungsakt von unbelebter Materie zu bewussten Organismen überhaupt begreifen zu können. Ist die evolutionäre Programmierung „Bewusstsein“ als physisches, protomentales Element eines der anfänglichen prototypischen Elemente eines Universums, das ja nachgerade einer menschengemachten Physik selbst nur zufällig ein materielles ist, weil es im Zeitpunkt des Urknalls über seinen Gegner, die Anti-Materie, obsiegte? Welchen Sinn würde es machen, eine reduktive physikalische Evolutionstheorie mit einer psychophysischen Anschlusstheorie zu verkapseln, sodass einer Evolutionsgeschichte überhaupt unterstellt werden könnte, dass es wahrscheinlich werden musste, dass Organismen entstehen sollen, die ein Nervensystem herausbilden? Denen es aufgegeben zu scheint, Evolution retroaktisch zu begreifen, sie nachzuzeichnen und in Systeme zu überantworten.

Der derlei anfänglich verstetigten, vorbewussten Einschätzungsprärogative (als Vorrecht gezwungener Wahrnehmung), die einem soweit neutralisierten (Mono-)nutzen einer Allmachtsphantasie im bewussten Wesen, unverstellte Fairness entgegen zu werfen weiß, soll gar eine protomoralische Klaviatur intern sein, die ohne intentionales und synthetisches Bewusstsein ist, die nunmehr reduktiv, in dem Phänomen protomentaler Elemente ihren Anfang sehen dürfte? Evident ist jedenfalls, dass eine Evolutionstheorie und die nicht wenig erfahrungswissenschaftlich begründeten Religionen, die Entstehung von bewussten Organismen jeweils nur notwendig (monolithisch) aber nicht hinreichend befriedigend erklären; beispielhaft bleibt jene unfertige Evolutionstheorie als zwingend materieller Reduktionsismus eine Evolution mit Lücken, die nicht unmerklich darauf angewiesen ist, dass so etwas wie eine Neurowissenschaft, eine Religion oder eine Philosophie des Geistes von bewussten Wesen schlichtweg erfunden werden müssen, um einen Dualismus von physikalischem Reduktionismus und einem sonstwie entkoppelten Phänomen Bewusstsein, das sich vom physischen Aggregat löst, in Synthesen ihrer jeweiligen Überbrückung überführen zu können. Ein zunächst paradoxer, psychophysischer Anschluss, der ein anderes Verständnis zuließe, wird ohne jene Verschaltung (Zusammenschaltung) nicht herstellbar sein: Das sich soweit verunmöglichende Denken, das aber erforderlich werden müsste, Evolution abschließend zu verstehen.

Die sich in ein anthropozentrisch Denkendes nicht überführbaren protomentalen Elemente, die einem anfänglichen Baukasten des Universums intern sein sollen, bleiben nach alledem, nicht zuletzt gegenüber der mannigfaltigen Mühewaltung bewusster Wesen eskamotiert. Zurückgeworfen könnten jene allenfalls in eine weithin erkannte Protomoral im Zwischen von Menschen (ungleich einer vermittels vielgestaltiger Vernunft ontisch verunreinigten, jetzt synthetisierten Moral).

Hegel verfolgt zunächst einen Konstituens des Selbstbewusstseins eines individualen, singulär gedachten Subjekts innerhalb der Eindrücklichkeit von widerständigen, materiellen Objekten in der Natur. Das Subjekt gestaltet natürliche Wirklichkeit nachgerade seiner Allmachtsphantasie durch Zerstörungsakte um, indem es beispielhaft organische Bedürfnisse zu befriedigen sucht: „Und das Selbstbewusstsein ist hiermit seiner selbst nur gewiss durch das Aufheben des Anderen, das sich ihm als selbständiges Leben darstellt; es ist Begierde.“ Es gilt für das Subjekt seinen Mononutzen zu maximieren, als einer basalen Bedürfnisbefriedigung des reinen, natürlichen Wesens zuallererst das Wort zu reden wäre. Als Begierde betätigendes Subjekt fällt es aus der Natur heraus und wird gleichsam nur jener zu unterfallen wissen. Es erfährt in der Zwingung reinen Bewusstseins (als ein zur Wahrnehmung gezwungenes Subjekt), dass es nur Teil von selbständiger natürlicher Wirklichkeit ist und sein kann. Natürliche Wirklichkeit ist immer unabhängig von seinen Elementen, die sich zuvörderst erst als bewusste Wesen zu begreifen haben. Natürliches als reines (nicht synthetisierendes) Bewusstsein zeitigt nur solches, spektrales Wissen seiner selbst; nur jenes provoziert gleichförmige Inklusion und Exklusion in und aus der Welt. Zuallererst ist es ein Subjekt der Exzentrik als es eine die Natur diskriminierende Allmacht perpetuiert, die seine vorrangige Verortung als Individuum im Setting seines Lebendig-Seins erst zu spiegeln weiß. Die Zerstörung des widerständigen Objekts, des Anderen in der Natur überantwortet die Begierde des adressierenden Subjekts schlussendlich in eine Verunmöglichung, den soweit zerstörten Gegenstand wiederkehrend zum eigenen Nutzen herstellen zu können (endlose Befriedigung des Mononutzens), weil es in der Zusammenkunft, im Zwischen mit einem anderen Subjekt ertragen muss, dass jenes sich nachgerade seiner eigenen Zwingung gleichbedeutend seiner selbst gewiss werden muss. Es erzeugt sich einzig schon oder lediglich als Reflex auf ein irreduzibles (tatsächliches) Zwischen von Menschen als ein gattungserhebliches Spezifikum; das Subjekt begreift, dass es nicht nur um seine Allmachtsphantasie über eine natürliche Wirklichkeit betrogen wird (ungehemmte Bedürfnisbefriedigung), sondern, dass es auf ein Anderes trifft, das ein bewusstes Wesen ist, das wie es nicht unabhängig von Welt und Natur sein kann. Individuale Begierde „vergesellschaftet“ sich in gattungsspezfischer Reglementierung des entgrenzten Zugangs zu organischen Ressourcen. Die Insuffiziens von betätigender Begierde und ungehemmter Befriedigung mit natürlichen Objekten rubriziert sich als eine die Wirklichkeit erfahrende Tätigkeit, sie ist bloßer Reflex von Zusammenkunft, sie ist nicht Ausdruck synthetisierenden Bewusstseins unterschiedener Verstandeskräfte (also unterschiedliche Vernünfte sozusagen, die je intentionale, mehr oder weniger monotone Designs von Gerechtigkeit erschaffen, die eine so bei Hegel gesehene natürliche oder bloße Protomoral zu übergehen wissen). Nicht minder versetzt sie (die Insuffizienz) das Subjekt in die Widerfahrnis, dass seine eigene Besonderheit insoweit überstiegen wird, als jenes eine Gewissheit der existierenden Gattung Mensch zu sein scheint, die es zu ertragen hat, dass sie als Teil einer natürlichen Wirklichkeit und durch ihre Teile für jene nicht konstitutiv sein kann. Wonach ein Einzelner den Zwang erfährt, sich als bloße Instantiierung einer Personenmehrheit sehen zu müssen, die Gattung ist; denn nicht zuletzt muss singuläres, ungehemmt Begierde betätigendes Bewusstsein sich insoweit entblößt wissen, als es als ein derart unterstellt omnipotentes Selbst, das Dinge der natürlichen Wirklichkeit zerstört (indem es sich an ihnen organisch zu befriedigen sucht), nachgerade seiner solchermaßen konsumtiven Kräftigkeit letztlich aber scheitern muss, weil die Totalität natürlicher Wirklichkeit zwingend ohne es und seinen Zerstörungsakten ist und bleiben wird (Verlust der Allmachtsphantasie). Derart sich nicht entgrenzen könnende oder affektive Konsumtion verkapselt sich also im Zeitpunkt der vorbezeichneten, zur Gewissheit gewordenen konsumtiven Beschränktheit mit einer solchermaßen vertretbar zu unterstellenden Selbst-Negation bei einem Gegenüber, die nicht unmerklich schon autologisch von jenem adressierenden, sich selbst bewussten Wesen im auftretenden Anderen vermutet werden muss; für jenes kann das Gegenüber folglich nur sich gleichsam bewusstes Wesen sein. Die Zwingung in die eigene Beschränktheit (inne zu halten) verdoppelt sich nachgerade eines phänomenales Wissens von Negation bei sich und von Selbst-Negation im Gegenüber, als es gattungspezifisches Wissen oder Phänomen natürlicher Wirklichkeit zu sein scheint. Es ist reflexive Moral, die sich bloßer Zusammenkunft schuldet, die ohne synthetisierendes Bewusstsein ist. Die Konsolidierung eines zuallererst subjektivischen Selbstbewusstseins (das Vorgängige im Bedürfnisbefriedigung nachsuchenden Subjekt) bedarf des soweit signifikanten Anderen im Gegenüber, das sich solchermaßen, sprich seinesgleichen zu negieren weiß, das „an ihm nun jene Negation vollzieht“, welche es selbst zunächst der autarken Wirklichkeit vorgängig, an sich zu vollziehen gezwungen war. Die widerständigen Objekte, die Gegenstände der natürlichen Wirklichkeit verbleiben im Selbstverständnis der Selbständigkeit (unabhängig seiner bewussten Wesen, die sie zu hervorbringen weiß); die konsumablen Gegenstände der Wirklichkeit werden widerständige Objekte, weil das Subjekt zur Befriedigung an ihnen nurmehr an sie zu gelangen wüsste, indem sich ein Anderes gleichbedeutend in die Zwingung der Negation zurückgeworfen sehen muss. Es ist seine irreduzible Duplizität von bidirektionaler (Selbst-)Negation und vermuteter Negation im Anderen, die ein Subjekt gewahr werden lässt, dass es mit einem solchermaßen zwingend selbst-bewussten Wesen aufeinander trifft: Die bloße Reaktion auf eine jeweilig Präsenz zeitigt eine Protomoral im Zwischen der Subjekte, der vorliegend nicht minder so etwas wie eine irreversible Prototypik von Fairness im Zwischen von Menschen (mit-)konstituiert, den Aufnahmepunkt des vorliegenden Erklärungsversuches.

Das bloß widerständig erfahrbare Objekt, das dem bewussten Organismus entegegenstrebt, soll sich danach und im Sinne des vorliegenden Vorschlags als phänomenal Stiftendes von Fairness begreifen lassen: Wie es als ein „Proto-Selbst“ bewusste Wahrnehmung herzustellen und zu stabilisieren weiß, es zu einem Gefühl der Meinigkeit und phänomenaler Einheit werden lässt! Intentionales als synthetisierendes (weil schon verarbeitendes) Bewusstsein erscheint (sichtbar) undenkbar in solcher Ermangelung eines „Proto-Selbst“: jenes ist schlichtweg mehr Phänomen, weil es biologisch determinierbar ist; es ruht insoweit vertretbar annehmend in den stammesgeschichtlichen Hirnstrukturen (Quellcode?), als es erst einer Aufrechterhaltung des Bewusstseins überhaupt zu dienen wüsste, mithin das bewusste von einem unbewussten Gehirn zu unterscheiden helfe: Bewusstsein selbständig und autonom als meiniges vom reduzierbaren Gehirn denken und fühlen ließe. Es erscheint als unverzichtbar. Unabdingbar verschleift ein „Proto-Selbst“ sich anhand von und in Körperlichkeit, als es einem homöostatischen Gleichgewicht nachzuspüren sucht. Es formiert sich nachgerade reiner biologischer Reduktion zu etwas Unbewusstem im Selbst, das als Grundform von individualisierbarer Subjektivität und Selbstgefühl in phänomenaler Einheit zu verfestigen weiß: eine zuallererst egozentrische Perspektive erzeugt, die zu einer bewussten, meinigen Wahrnehmung, neurologisch-niedrigstufigere Vorbedingungen einzubringen versteht. Ein solchermaßen biologischer Quellcode (beispielhaft auch ein in Interaktionen sich körperlich Verhaltendes) vermag eingedenk solcher unbewusster Vorleistung erst in höherstufigen, komplexeren Objektrepräsentationen aufgehen, möglicherweise ist er irreduzibel für einen jeden Bedingungseintritt bewusster Wahrnehmung, die im Davor eines synthetischen Bewusstseins zugemutetes Phänomens von Meinigkeit im Subjekt perpetuiert, das sich bloßer Widerständigkeit von Objekten verdankt; solche, die im plötzlichen Zwischen von Menschen, eine egologische Mononutzenmaximierung ohne weitergehende Kraft von Intentionalität zu bestreiten scheint.

Das in seiner Gezwungenheit heimgesuchte Subjekt, das zur Wahrnehmung gezwungene Subjekt, versieht sich solcherart Objekte ausgesetzt, als diese jemals oder zwingend einer zureichend verfestigten Adverbial- oder Bereichsontologie zu unterfallen scheinen, als sie nachgerade einer Matrix der letzten Fragen und Antworten schlicht unlogisch bleiben können (sie rühren nur aus dem unbedingten, nicht beschreibbaren Raum her, dem allenfalls eine Trennbarkeit von Universum und Natur [Kultur] zuzuschreiben wäre). Selbstredend verunmöglicht es sich nicht, sie realiter begrifflich einhegen zu können, trivialiter versieht es sich aber einer Unmöglichkeit, sie epistemisch zu individuieren. Sie sind Objekte, Widerstände des Wahrnehmenden, als das Subjekt einzig in der Zwingung zur Wahrnehmung, Gegenwärtigkeit mit anderen Objekten zu teilen scheint, die sich einer adverbialen Bestimmung (Existenz), gleichsam einer Funktionabilität bereichsontologischer (Bewegungs-)Wirklichkeit zu entziehen wissen, ohne kognitiv unbeschreibbar zu sein oder metaphysisch paradoxiert werden zu müssen. Das Objekt erscheint im Feld seiner purifizierten Sinnstiftung (nicht minder im Modus von Uneigentlichkeit): es (Objekt) tritt aus jenem Hintergrund (Feld) hervor, als es sich als kognitiv beschreibbarer Gegenstand der Wahrnehmung vor dem Hintergrund eines nicht beschreibbaren Feldes aller gleichsamen, restringierten Erscheinungen visibilisiert. Es schuldet sich nicht minder und überraschend eines etymologischen Nachspürens des lateinischen Wortes 'existere', was einen Hervortritt oder eine Ortsanzeige als Wortbedeutung ausweist. Es sind hiernach formative Felder (ohne, dass sie den Anspruch einer Ontologie des Ganzen einlösen könnten), die den Hintergrund wuselnder Objekte verstetigen, aus dem dasjenige hervortritt, was es gibt. Eine aller bekannter Adverbial- oder Bereichsontologie entzogene, als jenen vorausgehende Gewissheit, die uninformiert bleibt an der Synthetik, die sich dadurch einzuüben weiß, indem sie allenfalls hervorzutreten weiß, mehr nicht!

Unverstellte Fairness, als sie zunächst als intrinsisches Produkt gewahr wird, vergegenwärtigt sich als rarefiziertes Ereignis, das ohne Bezüge eines aufruhenden, synthetisierenden Bewusstseins richtungsgebende Außenwirkung zu zeitigen, das sich gegeneinander sprossenden, atomisierten Mononutzen (Individuum und Personenmehrheit) entgegen zu werfen weiß, verstellt deren Ängste von Wahrhaftigkeit und Konsequenz in der Zwingung von Wahrnehmung, die das Subjekt des Hervortritts hiernach auch nicht länger zu verdrängen sucht: Für das solcherart nur im Außen seines Proto-Selbst, das nicht synthetisiert ist, gegenwärtige (Un-)Fairness allenfalls relativierende Subjekt (das sein Proto-Selbst verleugnet oder sozusagen intentional überlistet), das nachgerade seiner Vorstellung relativer Tatsachenwirklichkeit, ein rudimentäres Faires nur hybridisieren, schlechterdings überschreiben oder programmieren muss, weil es nur einer anerzogenen oder sonstwie erworbenen Gerechtigkeitstheorie folgen will oder kann, vermag eine Überantwortung einer adverbial- oder bereichsontologischen Tatsache, als sie nur relative Tatsache sein kann, sie ihm aber als absolutes Motiv erscheint, in die Zwingung prototypischer Fairness nicht herstellen zu können. Nicht schon deshalb, weil es ihm abgenötigt würde, eine absolute Tatsache (Fairness) als nicht-synthetisierte, menschliche Kulturleistung anzuerkennen, die ohne synthetisierendes Bewusstsein schlichtweg ist, sondern, weil es sich in einem Denken von bloßer Meinung zurückgeworfen sieht, die nur in und auf einem Regress relativer Tatsachenwirklichkeit beruhen, hierin erzeugt und visibilisiert werden kann. Es handelt sich um eine schlichten Befürwortungsakt von synthetisierter Wahrheit; eine Meinung, die funktionabel wird, weil sie explizit in der Befürwortung einer anderen (zweiten) Meinung ruht, die sie (erste Meinung) am wahrscheinlichsten werden ließe. Und dabei ist es im Grunde das Betriebssystem moderner Gesellschaften, die sich für den relativistischen und konstruktivistischen Primat gemeinschaftlicher und politischer u.a. Verfasstheit verwenden, die je Ansprüche an Fairness in vielgestaltigen Formen insoweit zu verkapseln weiß, als sie in ihnen (Formen) stets auch zu verunsichern scheinen. Es verengt sich in Ängsten einer regressiven Dialektik von relativen Tatsachen, die adverbialontologisch mitunter wirken und absolut erscheinen können, die aber eine Fairness nicht anzuerkennen weiß, die beansprucht, abschließend (total) wahr zu sein, die das Subjekt in seiner Gezwungenheit zum Austritt/Hervortritt, in einen additiven Bruch von Wahrnehmung zu werfen weiß, die unterschiedenen, synthetisierenden Bewusstseinsströmen vorausgeht: in das Anerkenntnis unverstellter Fairness, die sich bloßer Zusammenkunft im Zwischen von Menschen schuldet. Die Widerfahrnis von Fairness beim Subjekt des Hervortritts überantwortet sich selbst aus dem Hintergrund egologischer Konsumtion (Vergnügen), als jene eine die neoliberale Pareto-Allokation adaptierende Mononutzenmaximierung nachzuspüren sucht, die ihrerseits freilich unerlässlich bleiben muss (individuelles Glück), als sie aber dergestalt maßvoll zu sein hätte; gleichsam entäußert es sich selbst eines Primats synthetisierender Wirklichkeitsbewegung und gesellschaftlich atomisierter Wahrheiten. Hierin entledigt es sich überdies und nachgerade seiner Zwingung in solcherart Widerfahrnis einer viel grundsätzlicheren Problematik, die einer jeden purifiziert-individuellen Nutzenmaximierung scheinbar konstitutiv nachteilig anzulasten wäre: der irreduziblen intra-kognitiven Beschränkung des Individuums, dessen Entscheidungen autologisch durch eine Neigung zur Beschränktheit kontrastiert werden dürften (Offensichtlich verwässern oder reglementieren sich Strategien für eine Wertanlage oder Ressourcenverwertung eingedenk beschränkter Einschätzungsprärogativen; denkbar ist hiernach nur, dass der Mononutzen ein solchermaßen hinreichendes Surplus zu zeitigen, nicht die Höchstform eines vollumfänglichen Mononutzens einzulösen wüsste). Das Subjekt, als es vorliegend das eines Hervortretens sein soll, fällt hingegen einer Eindrücklichkeit von protomoralischer Einsicht anheim, die sich in bloßer Zwingung zur Wahrnehmung im Zwischen von Menschen auszubuchstabieren sucht, die ihrerseits durch einen zeitlich nachfolgenden, synthetisierenden Bewusstseinsprogress (beispielhaft in Form eines 'mixed scanning' aus kursorischer, sizzenhafter Analyse und dezidiertem, empirischem Anspruch auf Richtigkeit) in ihrem gegenwärtig gewordenen Unbehagen, das im Bedingungseintritt von Gezwungenheit zum Subjekt kommt, in ihm erzeugt wird, schon wieder neutralisiert werden würde. Das Denken einer solcherart gegenteiligen, vorrangigen Mononutzenmaximierung beim Subjekt des Hervortritts verunmöglicht sich schon insoweit, als es ultimativ synthetisierendes Bewusstsein erfordern würde. Die Widerfahrnis unverstellter Fairness ist zuallererst ein Unbehagen, das ohne Nachsuche zum Subjekt kommt, das gleichsam das Subjekt nicht in die syntehtischen Kontraste zurückwirft (oder suspendiert), zur Überantwortung oder letztlich zur Abschiebung in das übergreifende und unterschiedene Betriebssystem relativistischer und konstruktivistischer Adverbial- und Bereichsontologien herausfordert. Das Subjekt entzöge sich also hierdurch der unmittelbaren Eindrücklichkeit von Fairness. Unterbliebe es nämlich, dass solchermaßen unverstellte Fairness (die hier in einem Versuch hergeleitete und vorgestellte protomoralische Einsicht eines zurückgenommenen Proto-Selbst) von einem synthetisierenden Bewusstseinsstrom konsumiert würde, so ereignet sich hierin jener rarefezierte, additive Bruch, der sich über die mannigfaltigen, aktualisierenden Brüche in der Gesellschaft zu legen und diese zu übersteigen weiß; er suspendiert sich und das Subjekt autologisch aus dem Monitoring oder einer Mühewaltung der sozialen Programmierung: Nur im Modus seiner Unverstelltheit bleibt er gar in seiner Wirksamkeit erhalten. Der vom Subjekt hin- und angenommene, der unbestrittene, additve Bruch ist eigentliche gesellschaftliche Innovationskraft, weil er, soweit es ihm möglich wäre, dem Subjekt nicht die Frage des Warum abzunötigen weiß.





Sonntag, 23. Oktober 2016

(1) Das sich in seiner mühevollen Überwindung eines Post-Nationalistischen wähnende Widerstreitende, das dem Oxymoron „Verfassungspatriotismus“ intern ist (der sich ja gerade vermeint, einen ihm entgegengesetzten Patriotismus vertexten zu dürfen, ihn einzuhegen), scheint neuerlich herausgefordert; er scheint gar in seinem unpathetischen, universalistischen Selbstverständnis veritabel bestreitbar, als er mit neuen (alten) Anleihen beschwert, sich doch zu einer nachgesuchten (benötigten) allgemeinen Lehre vom Staat umzustellen sucht: als ob die retroaktivische Sanierung eines national eingeübten, deutschen Leviathans sich wider die Vergewisserung eines ins Werk gesetzten post-nationalistischen Verfassungspatriotismus zu stellen sucht; jener nicht mehr hinreichender Konstituens sein darf, sondern verlegene Auffanglehre, die sich zu erbieten hat, nurmehr anders konnotierte Einfärbungen in ihren Organismus überantworten zu müssen: Eine Bewegungswirklichkeit, die wohlwollende Vorzüge einer post-nationalistischen Konfiguration aufzunehmen sucht und nunmehr, da sie (gefühlt) nicht mehr als hinreichend erachtet werden soll, ein solches post-nationalistisches Selbst nicht länger von einem durchschlagenden Testat eines gleichsam zu denkenden (heimlich nachgesuchten, vielleicht auch begehrten), nationalen Betriebssystems gänzlich unbelästigt wissen will. So jenes auch wieder legitim gedacht werden soll und darf: als ob der Verfassungspatriotismus seine unverbissene Leistungsbefähigung eingebüßt hätte, bestimmten gesellschaftlichen Fragen noch adäquat technologische Antworten „geben“ zu können (Islam, EU etc.); er (über-)strapaziert erschiene, nationale, gar nationalistische Abwehraffekte in sich verkapseln zu müssen. Stellt sich insoweit einer bestrittenen Leistungsfähigkeit konkludent die Frage, ob er doch „blutleer“, bloßer „professoraler Seminargedanke“ sei, der den „nicht-intellektuellen“, nicht habermasianerisch-gedanken-experimentierenden, nicht minder „national-affektierenden“ Menschen in einer Gemeinschaft letztlich noch nie wirklich zu inkludieren vermochte; der auf den ersten Blick nur staatlich-ersatzreligiöses Etikett einer globalen Suche nach post-nationaler Neuordnung sein soll (die alle Nationalstaaten erfasst hat), die sich überdies und nicht unwesentlich sichtbar, in Formen von nationalen, gar nationalistischen „Reverse waves“ gegenteilig zu aktualisieren scheint. Der Verfassungspatriotismus (VP) als Techne, die zuallererst keinen eigenen Sinn verwickeln kann, als Opfer einer unverstandenen Unruhe?

Als (im Fall Deutschlands) historisch verschuldetes, wesensgleiches Minus zu einer Allgemeinen Staatslehre (sowieso und letztlich eine deutsche Eigenheit) garantiert er:

a) dass sich in seiner „Etappe“ verschiedene majoritäre Theorien der Wirklichkeitsbewältigung anschicken, hegemonial sein zu dürfen (programmatisches Wesensmerkmal ist, dass „richtige“ Theorien sich tunlichst im „Hinterland“ seiner Konfiguration in ihm und auf ihn einlassen müssen, weil er sich selbst für jenes als unzuständig begreift; indes völlig ungleich eines derart autopoietischen Nationalismus oder derart aufruhenden Patriotismus.

b) dass er nur die (normative) Sprache liefert, zur Verfügung stellt, vermittels derer politische Gegner (also auch Gegner der jeweiligen Verfassung) streiten können: Die „Sprache“ ist nicht exklusiv, sondern konstitutiv und konstitutionell inklusiv, für jeden erlernbar, der sich auf sie einzulassen sucht! Das rechtssetzende Können und Dürfen ist insoweit Jedermannsrecht, als es zumindest einer aktiven, sich aktivieren-wollende Minderheit in einer Massendemokratie zukommen darf.

c) dass er es konfiguratorisch „ermöglicht“, dass unterlegene politische Kräfte auch fortgesetzt in seinem Organismus (qualitativ gleichberechtigt) existent sein können (beispielhaft keine autologische Suspendierung eines „Anti-Deutschen“ o.ä., sprich: politische Gegnerschaft neben einer sich entgrenzenden, radikalen Ideologie, im Außen von einzig höchstrichterlich als verfassungsfeindlich ausgerufenen Politiken, panoptischen Disziplinardesigns und Religionen befähigt sich selbst dazu, dass so etwas wie „Gerechtigkeit“ in einer spezifischen Frage anhand und vermittels eines kodifizierten Rechtsregimes nur hinreichend (konfliktaversiv) herstellbar sein kann (nicht über den Primat eines angeblich „höherwertigen“, zugleich einzig richtigen Gesetzes). Sie unterliegt nicht den sthenisch oder asthenisch sprossenden Minderwertigkeitskomplexen, die sich in politischen Niederlagen vermeintlich, nicht minder selbstreferenziell zu verkapseln suchen.

d) reduktiv, dass er Spielbrett und große intransitiv beachtete und geachtete Spielregel sein will, neuerlich – scheinbar verlegen! – zu einem statischen Aggregat umgestellt werden darf. Er muss plötzlich Form werden. Einem unheimlich unterstellt oder realiter strebenden Islam/einer merklichen Hegemonie einer Europäischen Union etc. wird die universalistisch „geerdete“, nur formative Verfassungstreue entgegengehalten; nicht minder evident ist aber, dass in vielen Fällen solcher (inflationär sprossenden) Verlautbarungen etwas mitbewusst anderes entgegengeworfen werden soll: ein historisierbares, überkommenes, scheinbar post-national nicht überwundenes, nationales (schlechterdings nationalistisches) und religiös anleihendes Strategem, als es als ein grundsätzliches Defizit und nicht als „AfD-Typizität“ u.ä. vorgestellt wird, das nurmehr nicht nur purifiziert verfassungspatriotisch sein will: Verfassungspatriotismus als ein missbrauchtes Vehikel nationaler Wiedergänger? Es wird Verfassungspatriotismus gesagt und das Mehr seines wesensgleichen Minus nicht unbedingt gemeint aber dynamisch mitadressiert. Ein umgestellter VP als beschämter Nationalismus scheint Konjunktur zu haben. Dass ein VP programmatisch in seinem Innen und seinem Außen (nationale und globale Konnektivität), gleichsam Sinn jenseits nationaler Bedingtheit und Eigentümlichkeit zu perpetuieren weiß, befreit ihn dennoch nicht von einem durchschlagenden Malus jener tunlichst nachgesuchten Faktizität reiner geopolitisch-reglementierter Leistungsbefähigung, nämlich von einem So-Sein eines geografischen Geltungsbereichs, der sich nun einmal mit dem abschließenden Gebiet eines Nationalstaates schlicht abzumühen hat. Oder: Wird gar insoweit etwas völlig anderes angerufen, als eine retroaktivische Sanierungssuche des verlustig gegangenen Leviathans mit den Folgen einer beschädigten Demokratie schlichtweg vertauscht wird. Der VP hängt sich selbstbeschreibend an das demokratische Gebäude. Letzteres ist nicht das Bestrittene, es wird nur synonym und dispositiv für ein Unvernehmen adressiert, das sich mit den Gefahren des Anti-Politischen und Entpolitisierens in der Marktdemokratie ungesehen verwickeln darf.

(2) Die Suche nach einem sich aktualisierenden, juristisch residual stets bedürftigen und nurmehr infrastaatlich neu nachgesuchten Resonanzkörper Staat (bedürftig, weil Rechtsregime nie ohne, wenn auch noch so schwachem Begriff von Staat auskommen), der mehr sein muss, als eingeübte Praxis von formeller und materieller Verfassungspraxis (eine Verselbständigung von gerichtlichen Sprüchen als sie erste Spieler von moderner Staatlichkeit sind, die sich einer harten Begrifflichkeit von Staat nicht gewahr sein müssen; vielmehr eine prozessuale als bewegungswirkliche Auffassung von Staatlichkeit nur zu versorgen, nicht einmal zu erzeugen bräuchten). Eine schon unaufgeregte Mühewaltung, die sich einer doppelten Unbestimmbarkeit schuldet: Die „Blutleere“ eines an monolithischen Fundamenten armen Verfassungspatriotismus findet seinen konstitutiven Zwilling, seine Erklärung im Setting neuzeitlicher Demokratie; die Unbestimmbarkeit ihrer Signifikanten hingegen, die nur im Bedingungszeitpunkt einer demokratischen Revolution sich unbedingt und unbelästigt selbst zu bedeuten wissen, entwertet sodann und autologisch den Triumph einer institutionalisierten Demokratie (sozusagen, wenn eine demokratische Revolution nur noch demokratische Institution sein darf). Was ist das für ein Schicksal, dem sich eine jede demokratische Revolution (Explosion) zunächst widerstandslos zu ergeben scheint? Schlussendlich zeichnen die unwillkürlichen, demokratischen Institutionen wie eingeübte Strukturprinnzipien des Staates verantwortlich, die sich vom angedachten Primat einer prototypischen Herrschaft durch das Volk zu entkoppeln und zu verselbständigen wissen, sie verstehen sich nicht ungesehen als Korrektive abnehmender demokratischer Legitimitätsketten, als diese sich nicht länger und einzig in wiederkehrenden Wahlen einzulösen wissen. Bald befriedigt eine institutionalisierte Demokratie nicht länger, die bereits in ihrer revolutionären Anfänglichkeit nicht anderes ist als die Vorbedingung zu ihrem sukzessiven Verlust; denn, dass beispielhaft (neben anderen) Marx von der finalen Abschaffung des demokratischen Staates zu künden weiß, heißt eben nichts anderes, als dass „ein Denken des Politischen und das Denken der Demokratie eng miteinander verknüpft“ sei: Indem Tocqueville die Demokratie mit dem demokratischen Staat verkapselt, um sie trennscharf vom Wesen und den Tatsachen demokratischer Revolution zu unterscheiden, behauptet der junge Marx, dass „in der wahren Demokratie der politische Staat untergehe“. Das langsame und nicht minder zwingende Absterben des (demokratisierten) Staates hieße demnach trotzdem nicht, dass ein irreduzibles Politisches im Sozialen, im Zwischen der Menschen grundsätzlich verschwinden könne oder gar das hypostatische Moment seines Charakters, der seine handlungsbefähigende Trägerformen zu erzeugen sucht, eingebüßt werden sollte; vielmehr degradiert sie insoweit beide zu Momenten in einem und eines nationalstaatlich bestimmbaren Demos, die es zu verkapslen gilt. Sie überantworten sich in eine Vermittlungsmühe, der er es nicht beschieden werden sein wird, beiden Momenten jeweils eine andere Bedeutung zukommen zu lassen als jene, die ihnen bereits formativ intern sind (so sehr sie je irreduzibel sind, so sehr sind sie auch leistungsbegrenzt – keines kann sich an die Stelle der Demokratie setzen; beide verschwinden gleichsagend aber nicht vollständig, sie erinnern, sie mahnen den Zustand einer „wahren oder wilden Demokratie“ an !). Das demokratisierende Prinzip von Staatlichkeit verdankt sich einer weitgehenden Ungewissheit ihrer abschließenden Form; ihr konstitutives Betriebssystem ist somit Zweifel an monotoner Verfasstheit, sodass sich Akte der Relativierung dauerhaft zu verkörpern, sich in ihr und gegen sie zu streben suchen. Es macht einen jeden Gesellschaftsvertrag, schlussendlich eine repräsentative Demokratie revidierbar, weil sie „direkte“ sein will; es beließe auch und gleichsam die Machtkonfiguration und -ausübung im Zustand ihrer Unveräußerlichkeit (das Widerstandsrecht einer selbstbeschreibenden Souveränität durch das Volk ist eben nicht bloßes schattenhaftes Residuum demokratischer Revolution in einer Verfassung). Nicht anders verhält es sich, wenn sich professionell eingeübter Zweifel zu einer Dogmatik permanenter Relativierung umzustellen weiß: Eine Demokratie tritt in ihren selbstentblößenden Hochpunkt ein, wenn dass Höchstmaß an Aktivation von Relativierung einsetzt: Die Demokratie relativiert sich selbst, sprich, sie stellt sich selbst zur Disposition, im eigentlichen Sinne nicht weniger konstitutionell in Abrede (konstitutiv bleibt sie irreduzibel unanfechtbar). D.h. im Zeitpunkt ihrer demokratischsten Ausdifferenzierung vermeint sie sich in einem solchen Zustand, in dem sie sich selbst abzuschaffen, zu ersetzen droht, tatsächlich ist es nur ihr destruktiver Hochpunkt, sozusagen ihre Höchstform!

Entfallen nämlich dergleichen die Dinge und das Wesen einer weitgehend ausdifferenzierten demokratischen Staatsräson, als es insoweit als ein Absterben des demokratischen Staates zu verstehen sei, so stirbt eine Demokratie keineswegs; so sehr sie nachgerade vermisst, neuerlich nachgesucht wird (was fatalerweise zu einer reaktivierenden Anleihe nationaler Identitätssuche umgestellt werden darf), erscheint diese autologisch geschwächte, weil nur demokratisierte Räson in ihrer Leistungsbefähigung nicht länger adressierbar; indessen wird vielmehr (un-)(mit-)bewusst (beispielhaft) eine Revitalisierung einer gezwungen historisierbaren, nationalen Identität angerufen oder beschworen, die anderswo noch funktionabel zugegen ist, in Deutschland nicht mehr zugegen sein darf. Sie ist allemal und gleichsam nur noch „sentimentalische“ Identitätsstiftung. Ein national, gar nationalistisch gründender Leviathan, als beschreibendes Narrativ staatlicher Verfasstheit vollends verschlissen, erbietet sich Auffangnetz zu sein – wenn man es sich erlauben darf – in den infunktionablen oder dysfunktionablen (in den schlechten) Zeiten einer Demokratie, das neue Trägerform konstitutiver Selbsterfindung einer Gemeinschaft, einer Personenmehrheit auf dem Gebiet eines Nationalstaates sein will! Das ist immer so: ein national besinnender Wiedergänger, der nötig scheint, letztgültig aber nur zu unterliegen weiß. Gegenteilig erscheint eine so konstitutiv (und sowieso stets) bestrittene, im Zustand ihrers angeblichen Absterbens verdinglichte Staatsform „Demokratie“ , so sie uneigentlich einen Gesellschaft vereinigenden Leviathan erzeugt, als unanfechtbar! Es schuldet sich einer schon simplen Faktizität, dem modernen freiheitsliebenden Menschen, der sich von dem archetypischen Ansatz gemeinschaftlichen Regierens (als Ausdruck eines zwar revolutionären aber zutiefst reglementierten Gleichheitsprinzips) in den vormodernen, republikanischen Demokratien emanzipiert hat, der sich mit einer Aufklärung zu einem relativ freischwebenden, irgendwie moralischen Subjekt einer sogenannten Moderne repetitiv (neu-)einzuüben weiß. Der Mensch hat sich weitgehend selbst verunmöglicht, sich seiner sonstwie errungenen, politischen Ausstattung zu entledigen (punktueller politischer Atavismus unterbricht allenfalls eine Konstante, die kontingente Demokratie einzulösen weiß); der moderne Mensch „kann“ nur noch Demokratie, er fällt immer wieder auf sie zurück. Als er auch gleichzeitig nur noch in einem demokratischen Habitat, das sich synonym mit immerwährendem Konflikt selbst zu versorgen weiß, lebensfähig erscheint. Denn weitgehend ungesehen bleibt jedenfalls die Tatsache, dass sich der Mensch der Renaissance, der es vermögen sollte, eine irreversible Gravidität der egologischen Einzelseele in eine sogenannte abendländische, christianisierte Kultur zu verkapseln, nur durch eine Abschaffung eben jener abendländischen Kultur selbst seiner freiheitszentrierten Mühewaltung berauben könnte: Erst wenn sie verschwindet, verwischt ein Primat menschlich wirkender Wirklichkeit, die Freiheitsbetätigung zu überantworten sucht. Es (nurmehr das massendemokratische Subjekt der Marktdemokratie) sucht sich einzig mit einem Objekt zu verkapseln, mit seinem Staat: ein zusammengeschalteter Souverän, der eine wechselseitige Sicherheitsleistung als sein In-Sich-Kontrakt zu ertragen hat (Demokratie ist Subjekt-Objekt-Verknüpfung von Souveränität). Nicht von ungefähr rührt Unklarheit her, worüber eine demokratische Gesetzgebung überhaupt Herrschaft auszuüben sucht. Über die abschließenden Formen nationaler Identität, die eine bestimmte Staatlichkeit zu diktieren wüssten, fraglos nicht mehr (weil das, was allenortes aktuell durch national-identitätsstiftende Anleihen bemüht wird, nicht und nie mehr gefunden werden kann). Ein schon nachlässig hingeworfenes Abjekt „Freiheit“ bliebe indessen übrig. Eine gemeinschaftliche Abrede über ein Ziel, dem eine finale Formgebung nicht gegönnt sein darf, die ihrerseits nur tatsächlich ist, soweit sie sich selbst zu verunmöglichen versteht. Oder in einer modernen Wendung, ein völlig anderes Gewand anzulegen scheint: Das Hintertreiben einer Auffassung von konstitutiver Freiheit, die nicht zuletzt von ungeniert unfreien Menschen eingepflegt wird. Menschen, die in Erwartung von Freiheitsbetätigung und (selbst-)revolvierender -suche lieber moralisieren (es gibt also echte Demokratien und falsche Demokratien, wobei letztere moralisch bestritten werden, die nicht im Club der einzig wahren Demokratien willkommen sind) – ein Streiten, das sich tunlichst mit einem Waren- und Markenfetisch, der gleichsam auch Meinungskonsum ist, überschneidet – die eingedenk eines potentiell entgrenzenden Genusses überhaupt nur zu streiten zu wissen scheinen; so jedenfalls der beschriebene Vorwurf eines überragenden Genussstrebens bei Platon, der die Mängel der athenischen Demokratie mit einer Logokratie zu neutralisieren sucht – Demokratie nicht minder vollends abzulehnen weiß. Obzwar einer sicherlich ermöglichenden Freiheit geschuldet, erscheinen ihre Protagonisten unfrei! Schlussendlich ist die Befähigung, Meinungen und Weltbilder selektiv konsumieren zu können, es zu dürfen, kein Punkt des Vorwurfs, dennoch ist es nicht einfach zureichend, von freien Menschen reden zu können. Die Unfreiheit, die Pfandrechte sozialer und zuallererst ökonomischer Kräfte, die ein demokratisches Betriebssystem (immer nur) zu überschreiben (nicht zu zerstören) wissen, vermag den freien Menschen nicht unmerklich zu erschweren (jeder noch so harmlose Ausnahmezustand, der neben der Ordnung ausgerufen wird, neutralisiert das Wesen und die Dinge der institutionalisierten Demokratie). Die sogenannten demokratischen Menschen vermeinen sich nur uneigentlich der in überragender Freiheit menschlich wirkenden Demokratie; realiter und nicht unmerklich entscheiden sie sich dazu, der Marktdemokratie nachsuchen zu wollen, eine beschnittene Demokratie des unfreien Menschen, als er sie auch insoweit fehlerhaft oder bemäkelt nur mit jener zeitgenössischen Form von Demokratie zu identifizieren wüsste; nicht zuletzt verkapselt sich moderne Demokratie konstitutiv mit einer funktionablen Geldzirkulation (jene Verschaltung verursacht erst das eigentliche Hintergrundsummen dieser Form von Demokratie, die freilich auch formativ bleibt, sie wird schlichtweg erst hierdurch objektivierbares „Objekt“ ihrer Begierde: eine global sympathisch akzentuierte Marktdemokratie, in der Menschen gerne, wohl auch zum Preis der Selbsttäuschung leben wollen; das uneigentliche, wahrhaftige Mehr jener Selbsttäuschung eines demokratischen Prozesses, als sie auch infinit ist, muss aber das Eingeständnis sein [bleiben], dass es keine finale Form aller Formen geben kann darf).

Der verwundete Leviathan, der ehedem demokratischer Souverän sein durfte, scheint seinen früheren Zustand (il stato) zu suchen, eine Statik von Staatlichkeit überhaupt neu zu berechnen wollen; schlussendlich vermeint er sich nicht unmerklich ungesehen dadurch einzig selbst zu emulieren, indem er seinen urtümlichen Körper scheinbar nur neu zu fragmentieren sucht und gleichsam seiner Leerstelle, ein Design der Body politic zu diktieren wüsste, das eine ausdifferenzierte, mithin auch atomisierte Entäußerung eines an den Staat überantworteten Rechtsverzichts (im Zwischen der Menschen) nicht länger zu beachten hätte: Die derart stets situativ postulierte Apohansis, die konjunkturelle Entblößung der unterstellt meritokratisch umgestellten, ungestört sprossenden Eliten, die eine institutionelle Demokratie zu überschreiben wissen (ohne sie zu verschwinden lassen), soll eine bloße (demokratische) Herrschaft durch eine aktive Minderheit nicht bloß quittiert wissen lassen; sie will zur egalisierenden Partizipation aufrufen (Mut zur Partizipation, der seine Quelle innerhalb eines nachgesuchten, retroaktivischen Bewusstseins nationaler Identität vorzufinden wüsste, der sich realiter in der Initiation einer beispielhaften Front National neuerlich gar unprätentiös zugelassen einüben könnte). Der neu eingefangene Mut der Teilhabe überführt sich in eine Nachsuche, die einem verlorenen Selbstverständnis, einer Statik des beauftragten demokratischen Souveräns, das Versprechen (einfacher) Settings von Problemlösung jedenfalls nicht mehr abzunehmen scheint; einem nicht länger zureichenden Portfolio aus sprachlicher Vermittlung, konzeptionellen und projektierten regierungstechnologischen Vorstellungen, sprich überkommenen Standards politischer Kommunikation Genüge tun zu wollen. Denn, bleiben jene Settings uneigentlich aus, erschwert sich derart eigentlich jene beschriebene Verschleierung meritokratischer Programmierung, die moderne marktdemokratische als repräsentative Politik kostümiert, so verflüchtigt sich stets und gleichsam der angerufene demokratische Souverän, der Leviathan, der im Bedingungszeitpunkt einer sich destabilisierenden EU etc. nachgefragt werden sollte. Dieser drohende Downgrade des demokratischen Souveräns bleibt indessen nicht ungesehen! Das staatliche Betriebssystem erscheint an jenen so fokussierten regierungstechnologischen Zugangspunkten gar mehr als destabilisiert, es defragmentiert Herrschaft im Innen von Souveräntität und nunmehr von konjunktureller Identität. Verkapselte jenes identitäre Additiv, das neben einem demokratischen Souverän nicht länger eskamotiert, (freilich übertrieben) dynamisch sich innerhalb einer beschworenen Rückwärtsbewegung, so drohte gar punktuell ein Rückfall in das Selbstverständnis staatlich ungebundener politischer Spieler, in eine gesellschaftliche Polyarchie, vermittels derer in gewisser Hinsicht gar kein Staat mehr zu machen wäre: unterfielen doch die Einheit und die Einheitlichkeit originärer staatlicher Zuständigkeiten und Befugnisse mehreren Einflusssphären in der Gesellschaft (wie ein historischer Klerus im Gegenspiel weltlicher Herrschaft, die je keinem Bedürfnis von einem einheitlichen Staat nachzugehen hatten, gegenteilig einer inversen Statik, der Erkenntnis eines „il stato“ bei Machiavelli: der Staat als notwendige Invention der Renaissance etc.).

(3) Welchem tatsächlichen Ding wird indessen nachgesucht, als ihm zugelassen nachgespürt werden darf? Das deutsche Ding, das nur unabgeschlossenen eigenen Sinn mit einzubringen, das situativ wiederkehrend aber überraschend und abschließenden, gar durchschlagenden Sinn scheinbar spielend herzustellen weiß? Die retroaktivische Konjunktur nationaler Identitätsmühe ist sichtbar weniger realiter historisierbare Rückbesinnung (die sich selbst verunmöglicht sehen würde), denn zeitgenössisches Produkt oder menschlich wirkende Konstruktion eines Politischen; es ist das deutsche Ungemach, das eben nur und stets einem deutschen Staatsvolk, nicht einer (vielleicht nie existierenden) deutschen Nation, den Weg in das Narrativ einer zuallererst verspäteten Nation zu bedeuten wüsste. Das unter Zugzwang herausgeforderte, zeit-kontextuell heraufbeschworene Narrativ eines Kulturerbes (was sich plötzlich auch wieder christlich einfärbt), das sich programmatisch (was es nunmehr tatsächlich historisierbar werden ließe) schon dadurch selbst zu bedeuten sucht, indem es die immerwährende konstitutive Frage stellen muss: „Was ist deutsch?“. Ehedem ein Selbstverständnis in anderen europäischen Nationen; erschiene es doch einem Franzosen höchst eigentümlich, diese Frage ständig innerhalb der unterschiedlichen und unterscheidbaren Geschichtsformtionen Frankreichs, im eigenen Sinne stellen zu müssen). Die überkommene Frage, was das deutsche Sein, Sollen und projektierende Wollen sei, bleibt das überragende Kennzeichnende eines Volkes, das sich geschichtlich stets nur durch Anpassung gegenüber Obrigkeit und Besatzungsmacht selbst zu finden, das sich durch Anpassung gar seiner Revolutionen zu berauben wusste. Ein sich solcher Bewusstwerdung permanent andienender Stakkato identitärer Suche (die sich aktualisierend als eine schon anfänglich kontrafaktische politische 'Identitäre Bewegung' nicht länger gesellschaftlich invisibilisieren will) ruht nicht zuletzt Erstaunliches inne: Scheinbar unbestritten, mithin zulässig befähigt, übergeht nurmehr eine scheinbar luzide historisierbare Genese des Deutschen, als sie sich selbst in eine Geltung zu überantworten versteht, einen evidenten, national-formativen Malus; jener bedeutet sich in Gestalt eines schier unzerstörbaren nationalen „Wiedergängers“ (einer ständig zu verunfallen scheinenden Nation) den Weg in ein Anerkennungsverhältnis, in dem historische Genesis und nationale Geltung nicht zwingend ausdifferenziert sein muss, nicht minder oberflächlicher, verklärter Nimbus nationaler Identität sein darf (der deutsche Mythos/die bloße deutsche Kulturnation ist roter Faden):

Das historische Dilemma eines stoisch unpolitischen Bürgertums, das ein soweit identitäres Deutsches spiegeln könnte, überführte am Ende eines 19. Jahrhunderts seine politische Unmündigkeit erneut in eine geschichtliche Formation, die einen zureichend unbelasteten, so auch heute rekursbefähigenden deutschen Genus jedenfalls nicht vorzufinden wüsste: Das Ende des bismarck'schen Primats außenpolitischer Stabilität überführt ein deutsches Bürgertum keineswegs in eine autologische politische Eigenständigkeit, in das politische Selbstverständnis eines Bürgertums, das im europäischen Umland schon längst majoritäre politische Realität sein durfte. Gleichsam stagniert ein abgehängter deutscher Adel, der sich einem englischen Adel ausgesetzt sehen darf, dem der evolutionäre Überschritt in das Unternehmertum längst gelungen war; er profiliert sich indessen als eine infinitesimale kriegstreibende Kraft (als es der Ausweg aus der eigenen Krise zu sein schien) im kommenden Kaiserreich, das ein nationales Selbstverständnis der Deutschen, grotesk neu einzuüben, letztlich final abzuwickeln wusste. Die gesellschaftliche Unordnung einer emanzipierten, schlussendlich mehr internationalistisch eingefärbten Arbeiterbewegung erscheint eingedenk eines projektierten, durchschlagenden Rollentausches mit einem politisch inaktivischen, nur demosliberal wirkenden deutschen Bürgertum weitgehend verunmöglicht, eine schon unbestrittene Unterordnung unter die wilhelminische Lesart von zugelassenem Parlamentarismus zu korrigieren.

Auch nur ein hinreichender Erklärungsversuch. Der neuerliche Reiz nationaler Identität überantwortet sich nicht ungesehen in eine historisierbare Reizung deutscher Identität aus Katharsis und Wiederaneignung schöpferischer Irrationalität (nichts anderes erfasst ein Deutschsein in seinen Geschichtsformationen von 1871 bis 1945)! Die Unfähigkeit der Deutschen identitäre Niederlagen und aufruhende Befreiung emotional sublimieren, allenfalls analysieren und intellektualisieren zu können, überführt sich mehrfach in komische kollektive Affekte, die eine bewusste Abkehr von allem, was typisch deutsch sei, zu zeitigen wusste. Eine identitäre Verkapselung im Deutschen, die nicht weniger aktualisierte Faktizität ist oder aktualisierbarer Malus sein will. Die deutsche Identität, als sie keine stringent befriedete, nur seichte einer anglikanischen Kultur zu adaptieren pflegt, bricht wiederkehrend, um sodann in erstaunliche neue Anerkennungsverhältnisse überantwortet werden zu können. Die nachgesuchte schöpferische Irrationalität im Deutschsein, die ihren Hang zum Absoluten (auch bei einer deutschen, stets atomisierten deutschen Linken, die spätestens mit den 1970ern keinerlei gleichsames Anerkennungsverhältnis mit einer sogenannten Arbeiterklasse teilt) nicht zu quittieren wusste, die Kultur (Mythos) und Wirklichkeit zugelassen in einen staatsformativen Austausch setzen durfte (Identität durfte nicht wenig ernstlich mit einer mystischen Kultur in Eins fallen), invisibilisiert sich realiter in einer Mann'schen Manier als faustische Identität, die dazu verdammt, dem Schrecken nationaler Identität beharrlich und ernstlich auf den Grund gehen zu müssen, der Unergründlichkeit des eigenen Wesens, der deutschen Dinge in ihrem Kern nachzuspüren, keineswegs in einem oberflächlichen, seichten Common sense stecken bleiben zu müssen (Blut und Eisen, gar Blut und Boden als gleichsam grotesk anmutende und doch realpolitische Narrative eines stets unergründlichen deutschen Wesens). Eine Attitude im Deutschsein, die final einem vulgären Künstler Adolf Hitler, tatsächliche staatliche Programmierungshoheit, scheinbar völlig schmerzfrei, zu überantworten weiß; Hitler ist nicht gescheiterter Künstler gewesen, er ist zeitlebens Künstler geblieben, seine Kunst fatalerweise sympathisch von einem Deutschsein akzentuiert worden – ein personenmehrheitliches Deutsches vermag eingedenk einer unterstellten, also bloß virtuell kollektivierbaren Handlungsfähigkeit, seine Kollektivschuld eben nicht zu neutralisieren. Das verunfallte Medium Kunst (der nachgespürte deutsche Mythos) als wahrhaftige, menschlich wirkende Wirklichkeit konnte als ernstliche Regierungstechnologie nur in einem Setting solchen Deutschseins überhaupt majoritär werden. Deutsche als nationale, historisierbare Identität, gleichsam ihrer Residuen, gibt es immer nur zum Preis ihres jeweiligen Schreckens (preußische Tugenden gibt es demgemäß nur im mitbewussten Setting preußischer Obrigkeit); ein repetitiv heimsuchender Dark passenger, der schlechter Dienstleister eines Deutschseins im Jetzt ist, der jede seiner retroaktivischen Anwendungen schlechthin irreversibel zu beschämen, mitunter zu verunmöglichen weiß. Im Zwischen der „marktdemokratischen“ Deutschen im Jetzt erweisen sich historisierbar-nationale, hierin nationalistisch umgestellte Anleihen außerhalb der beiden oktroyierten Republiken schlichtweg als untaugliche, auch vergebliche Erinnerungsmühe.

Einen aus nationalen, kultürlichen Restpartikeln schöpfenden, gleichsam neu zu verdinglichenden politischen „Wiedergänger“ (3), der einen beschädigten demokratischen Souverän zu adressieren, der einen Verfassungspatriotismus eigennützig umzustellen, evident als Vehikel für einen neuen politischen Körper (schlechterdings sentimentalisch) zu missbrauchen weiß (1)!
Eine demokratisierte Höchstform von Demokratie, als sie modern nur als Marktdemokratie auftreten soll, die sich hyper-demokratisierend selbst zu relativieren, sich final selbst in Abrede zu stellen droht (2)!
Wie ließen sich die Essentialien benennen, die sich aktualisierend als nationale, retroaktivisch sanierende Identitätssuche zu verquicken suchen?

Die tatsächliche identitäre Bewegungswirklichkeit innerhalb eines überkommenen politischen Körpers (aus formativem Verfassungspatriotismus und letztlich gar nicht so freier Marktdemokratie) degradieren sich selbst dazu, in neuer Verstetigung von Herrschaft vindizieren zu können: Programmatisch und in seinen Selbtsverständnissen Formatives darf wieder verfestigte (nationale) Form sein. Neuerlich im Namen der allgemeinen Rechte einer Gesellschaft sprechend, darf sich ein derart umgestellter oder missbrauchter Verfassungspatritotismus (der ja urtümlich korrigierend, sich auf eine Marktdemokratie einzulassen sucht) gar als monolithische Substanz nobilitiert wissen: Entgegen ihren bekannten Kritiken erfahren post-nationale Designs wie ein Verfassungspatriotismus oder eine Markt- als Massendemokratie jetzt und durch solchen Missbrauch tatsächlich ihre stets vorgeworfenen ersatzreligiöse Wesen. Sprich, erst durch eine privilegierte „nationale Umstellung“, erst durch eine nationale Einfärbung der beiden Institute entstünde das eigentliche abwehrbefähigte Fundament eines Verfassungspatriotismus, der nur uneigentlich systemisch abwehrbefähigt zu wirken wüsste. Der einer Bundesregierung vorgehaltene Verfassungsbruch („Dublin“ und Flüchtlingsfrage) darf hiernach das uneigentliche Selbstverständnis moderner Staatlichkeit bewusst und zielgerichtet eskamotieren (Einem möglichen Verfassungs- und Rechtsbruch kann aber nur mit den ins Werk gesetzten Mitteln einer Staatlichkeit, nicht mit solchen eines nationalen oder religiösen Primats nachgespürt werden). Dass vielgestaltige identitäre Bewegungswirklichkeit nachgerade nicht durch ein privilegiertes, monoton durchschlagendes Wesen wie nationale Zugehörigkeit oder ähnliches in Einem, das für ein Ganzes stehen darf, zu unterfallen weiß, durchbricht denklogisch jegliche Mühewaltung einer konjunkturell sprossenden Idee, eines wenn auch stets legitimen und legalen Majoritärwerdens einer beispielhaften „Identitären Bewegung“ (oder Pegida etc.), die nur partiale identiäre Bewegungswirklichkeit bleiben werden.

Wie ließe sich ein derart nachgesuchter, sich neu einzuübender Leviathan, der nicht ungesehen ein digitaler Leviathan sein muss, der eine funktionale Schicht, eine nationale Spannung freizulegen sucht und dabei nicht anders als eben auch nur einer so ontisch verunreinigten Vernunft das Wort zu reden wüsste, sichtbar machen? Sicherlich erschöpft er sich nicht als klassischer nationaler politischer Körper, der irreduzibel, der stetes oder unterdrücktes Mitbewusstsein eines modernen Staatsvolkes ist.
Eine Identität als Agglomeration residual-nationalen und neo-nationalistischen Gezwitschers, das einem die Unordnung von Meinungsdiversität anreicherndes „Surplus“ das Wort zu reden scheint, das nur einen Anschein an demokratischer Mühe (mit-)bewusst werden lässt, das nach Gesinnung und Laune durch soziale Medien wild vexiert, nicht minder bloß rasant aktualisiert wird: es gründet sich in (a-)politischen Massen, in dümmlichen und sehr pfiffigen minutenpolitischen Affekten, in der Interferenz von Gezwitscher, das nicht zwingend „zivilisiert zu verachten“ weiß – es gegenteilig gar zum uneigentlichen Ton ihrer eigenen Sache zureichen lassen will. Beides wird gleichsam fahrlässig beschleunigt und entschleunigt; es will den temporalen Regeln der überkommenen Dienstleister von Wissen und Meinung den Takt entziehen. Die Schlagzahl innerhalb eines disparaten digitalen Raums, dem eine ungelenkte Pluralität von flüchtiger Meinung überantwortet wird, stellt jede Formation politischer Abstimmung zu einer gewagten politischen Lotterie um. Sie diktiert eine unsäglich spiegelnde Beschreibungswirklichkeit, nicht selten mit der Verfallsrate eines marktschreierischen Sekundenmoments (Twitter), und doch ist sie nicht weniger Raum formativer und bleibender Verfestigung von Organisation und Struktur (Pegida): Die Verstetigung von einem Anerkenntnis politischer Willensbildung, die unüblich (selbst-)beherrscht und konzertiert eine bestrittene, neuerlich scheinbar eskamotierte Arbeit von politischen Parteien nur noch zu quittieren sucht. Computisierte Sofort-Zugänge zu einem insoweit schwachen Diskursfeld, als es einem noch schwächeren Wissen als erfahrungswissenschaftlichem Wissen aufzuruhen braucht, die zeitverzögert, einschlagende Eindrücklichkeit auf originär politisches Programmieren zu hinterlassen wissen. Die retroaktivische Aktivation saniertem nationalen Selbst (das als solches - wie hier beschrieben - fälschlicherweise aufzutreten versucht) ist Beispiel; es verfängt sich nicht selten wie regelmäßig mit ihren ersten, hegemonial wirkenden Akteuren in der so von ihr bestrittenen Auffassung von Elite (politische Kristallisationsfiguren oder Personenmehrheiten entstammen zumeist selbst diesen Eliten) und der Frage nach Zugehörigkeiten zu einer Nation; möglicherweise sind jene zwei Angelpunkte (Elite und Nation als Adressaten eines politischen Unvernehmens) ante cedens oder doch nur konjunkturell ein anderes Ermöglichendes, das zu bestreiten sucht, gar einzig dazu befähigt, zu streiten wüsste. Es ist irgendein und bloßes Bewusstsein, das sich darin neuerlich als ein nationales konstituiert, weil ihre nicht abschließend beschreibbare ureigene Legitimationsgrundlagen, als sie ihre Maßstäbe sein sollen, mit einer zeitgenössischen Bewegungswirklichkeit in ein unauflösbaren Widerspruch geraten zu sein scheinen (Die institutionalisierte Demokratie tritt in den Hochpunkt ihrer eigenen Relativierung ein, vgl. oben!). In jener Ermangelung wird es autologisch als Trägerform von gemeinschaftlichem Sein und ontisch geformtem Sollen erzeugt, jedoch gleichsam in seiner Ermangelung eines zureichenden Begriffes nur als nationale Wiedererweckung verstanden, fatal und richtig gewendet: in jener unverstandenen begrifflichen Mühewaltung überhaupt erst als gemeinschaftliches (National-)Bewusstsein wirksam. Denn jedes „Klassenbewusstsein“ oder nurmehr komisch aktualisiertes Nationalbewusstsein kann sich nur in solcher menschlich wirkenden Wirksamkeit selbst bewusst werden. Und doch ist ihm in kontextueller Globalität nicht unmerklich anfänglich schon sein eigenes Scheitern irreversibel intern, als es einem so protektionistisch diktierten, ontisch verunreinigten Sollen im Nationalen, das retroaktivisch saniert, kein zukunftsbefähigendes Wollen in den globalen Demo(i)kratien beizumessen wüsste – nur jene (eine EU oder was an ihre Stelle treten könnte!) sind und bleiben bewegungswirkliche Faktizität.

Die national, schlechterdings nationalistisch konnotierende Amoralisierung eines bloß verfassungsrechtlich vertexteten Staates bedeutet sich nicht in deren Überwindung von derart bestrittener Potentialität, sondern ist lediglich eine Reprise des irgendwie grausamen Positivismus, der einen Staat, ebensoviel ein Recht auf so etwas wie ein historisierbares deutsches Kollektivbewusstsein, ein deutsches Ding oder Wesen reduziert. Moralisiert sich hingegen eine national (nationalistisch) ausdifferenzierte Amoralisierung eingedenk einer bloßen Politizität "schwacher" Staatlichkeit, so erwächst ihr autologische Anarchie. Warum? Das historisierbare Nationale, als es ja nur Nationales eigentümlich zu spiegeln sucht, kann sich nicht gänzlich privilegiert, in seinen neu durchschlagenden, monotonen nationalen Tönen vollendet wissen. So viel jene, einer immerwährenden Politizität aktualisierbarer Konjunktur eines Nationalen aufzuruhen scheinen, existieren andere, die sie zu kontrastieren suchen, die gleichsam so etwas wie phänotypisches Nationales in einem modernen Deutschsein herausfordern wollen. Sie sind sozusagen das andere, stets invariante Nationale, das keinen Aufnahmepunkt retroaktivischer Sanierung seines selbst, einzuüben sucht. Endlich ist evident, dass Nationales (als bloße abgeschwächte nationale Identität) niemals objektiv-gegenständichen Funktionssinn zu zeitigen wüsste; so wenig kann es überdies individuelle oder personenmehrheitliche meritokratisch, ochlokratisch oder elitär eingefärbte, psychologisch-atomisierte Selbstzwecke in ein Ganzes (Volksbewusstsein) zusammenschalten. Nationales wie Staatliches konvergieren einzig in ihren (realen) Wirkungen. Mehr nicht und niemals mehr und doch scheidet sie etwas: Eine noch so stark oder selbstverständlich ausdifferenzierte nationale Identität kann niemals „schwache“, bloß vertextete Staatlichkeit ersetzen! Führt eine national eingefärbte oder gar nationalistisch sprossende Amoralisierung von "schwacher" Staatlichkeit, die sich nur durch eine bloße Vertextung, grundlegend ihrer selbst gewahr zu werden schien, zu einer quasi-religiösen, zwingend nationale Antagonismen einübende Verklärung der nachgerade nur aktualisierbaren, bestenfalls agonal funktionablen Herrschaftslogik (im post-nationalen Verfassungsstaat), so muss - wie zuvor vermutet - ihre gegenteilige Moralisierung durch eine nationale (schlechterdings nationalistische) Intervention der Anarchie hinanfallen. „Schwache“ Staatlichkeit stellt sich um zu einer wahrhaftig schwachen Herrschaftsform intermittierender gesellschaftlicher Spieler (die Nationale Identität, das Nationale, ein scheinbar monoton einlösbarer Volksgeist vermögen aber nur selbstbeschreibend Jeden und Alles zu ordnen). Ein moderner, strikt nationaler Staat, der sich global zu entkoppeln und zu verselbständigen wüsste (der sich eben nur so vertexten könnte) ist realiter ungesehene Polyarchie, im Ergebnis Anarchie, die bekanntlich kein Staat sein will und kann. Im Modus seiner performativen Kräftigkeit will ein unterstellt unbestechlicher nationaler Volksgeist demnach nicht unmerklich abschließend konstative Kraft sein; soweit ein Konstativ, übereilte, wesentlich wissensentkleidete Entscheidungen treffen zu können, zuallererst zu dürfen – es ist beispielhaft legitimes bzw. wirksames, gleichsam aber unmöglich als selbst verunmöglicht gerechtes Entscheiden, was selbstbeschreibend religiös- oder nationalistisch-privilegierte Einschätzungsprärogativen einzulösen wissen.

Der vermisste Gegenspieler, die polymorphe, politischen Streit einkalkulierende, verfassungsrechtliche „Gewalt“ (als sie sich in einer Gewissheit von politischer Wissensaneignung in der Markt- und Massendemokratie einzulassen suchte) ist gar ungesehene, grundlose Staatlichkeit, die sich dadurch auszeichnet, dass sie bloße deutende Kraft an der Nahtstelle von Staatlichkeit sein darf, die sich nachgerade nicht auf irgendetwas zurückführen könnte, was eine ausgewiesene performative Kraft (eine nationale oder nationalistische Monoform) gegenteilig, selbstverständlich und selbstbeschreibend zu verstetigen weiß: sie ist nicht Gewalt, die sich monoton in den Dienst einer privilegierten oder monolithischen Sache (Nationalität, Ideologie und Religion etc.) stellen muss, weil sie es nicht schon bräuchte. Das ist kein oder ihr Unglück; es ist ihre schon profane Chance, zerlegbares Ding zu sein, das zur historischen und projektiven Korrektur zu befähigen weiß. Nicht unmerklich ist und bleibt sie gefangen in einem Zwischenraum von legitimierender und legitimer Autorität, weil sie es vermag, gehöriges Desinteresse an vorangehenden Gründungen (in Religion und Nation etc.) einüben zu dürfen, ohne ein Interesse an jenen gänzlich zu quittieren, neutralisieren zu müssen. Ein global präferiertes, nurmehr bestrittenes post-nationales Design, kein vermisster, neuerlich adressierter, scheinbar verschwundener demokratischer Souverän, kein erzwungener, nachgesuchter monolithischer Volksgeist in neuer nationaler Verfasstheit, kein Leviathan, der zureichend adressierbar scheint; sie sucht das, was eine bloße Übernahme von demokratischer Verantwortung gegenüber dem nationalen Gedächtnis (als es je auch nur sein aktualisierbares Monitoring ist) als eine Verantwortungsnahme gegenüber dem Begriff und den Faktizitäten dieser Verantwortung selbst sein will: Sie ist „schwach“, weil sie immer das erste (funktionable) Opfer von Wahn konjunkturell auftretender, national sprossender „Wiedergänger“ sein wird. Und doch vermag nur die formative Subjekt-Objekt-Verschaltung, derart „schwache, vertextete Staatlichkeit“ sich in einem unanfechtbaren Konflikt im Zwischen der Menschen, der redliches Synonym für Gesellschaft bleiben wird, einzig als durchschlagender Spieler gewiss sein. Sie wird nicht nur jede Auffassung von Nation „überleben“, sie ist längst ihr überragender Gestalter.
Unüberlegt wäre es, doch gängig, von einer maßgeblich schuldhaft verwickelten (an dieser Stelle begrifflich freilich wenig entwickelten) „politischen Seinsvergessenheit” post-nationaler Spieler zu sprechen, die nationale Strebungen dadurch zu befördern wüssten, indem sie es nicht weiter verstünden, wiederkehrend die Fragmente ihrer politischen Körper (der Markt- und Massendemokratien) im Bedingungseintritt ihrer höchsten Relativierung (solchermaßen die Höchstform von Demokratie, in der sie sich selbst zu relativieren sucht) hinreichend zu refragmentieren. Als Form kann sogenannte Demokratie stets verschwinden, formativ bleibt sie gegen jegliche monolithische Primate unanfechtbar.





Dienstag, 3. Mai 2016

[...] 5. Die intransitive Innovationskraft einer realiter bestrittenen Maqāṣid al-Scharīʿa

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Der Exkurs in den Kern des eigentlichen Problems: Und dennoch kennt solche dominante Rechtsschöpfung und marginale Rechtsauslegung nur wenig Außerrechtliches wie es moderne Formen des Rechts herzustellen wissen: Jenes gründet sich schlicht in der Banalität des Mensch-Seins, mit der sich ein "Recht gegen sich selbst blind machen" muss (die private Willkür im Außen des Rechts, die in seinem Innen nicht detektiert werden kann und darf); es muss sich selbst begrenzen, es kann nicht in die intimsten und privatesten Nischen infrastaatlicher Öffentlichkeiten nachspüren, religiös und sozial programmieren. Der Nistort individual sprossender Willkür, die ein monotones gleichsam griechisches und islamisches Recht nicht in einer Form von Recht verkapseln können - als ein Recht, das sich schon dadurch genügen darf, bloß selbstreflexiv zu sein; natürliche als außerrechtliche Willensbildung, sei es auch nur private Strebung von Willkür, die sich gleichsam und stets einem (religiösen) Souverän zu entziehen suchen und einer sie einhegenden Mühewaltung von spektraler Interessenordnung, die im Innen des Rechts nurmehr regelgeleitet verhandelt werden, nicht zuletzt durch die Partikel überschießender Willkür formbar sein darf (Der Widerspruch zwischen einer idealistischen Willenstheorie oder Willkürtheorie und einer modernen Interessentheorie ist im Grunde keiner). Natürliche Rechte (der willkürlichen Strebung, Entfaltung) können nur dann als solche verstehbar werden, wenn sie von einer institutionalisierten Rechtssetzung legalisiert werden; erst der Akt der Rechtssetzung konstituiert sie (natürliche Rechte), indem er sie in das Außen seines zugrunde liegenden Rechts verdammt (hier ist der Mensch Individuum; tritt er in das Innen des Rechts ein, ist er Subjekt). Es verdankt sich einer irreduziblen Dopplung eines zuallererst performativen Rechts: der Ermöglichung von Interessen (wozu darf eine Inanspruchnahme von Rechten dienbar gemacht werden ?) und der gleichzeitigen und -räumlichen Erlaubnis (weshalb beziehen sich Rechtspflichten gerade auf jene oder diese Gründe) von Willkür (weil das Recht erlaubt, auch nach natürlichem Belieben zu wollen). Es geht indessen auch nur um eine durch das Recht selbsthervorgebrachte Normativität, die sich erst in ihrer formativen (wandlungsbefähigten) Legalität und durch diese zu autonomisieren weiß, die nicht länger Rückhalt in einer sittlichen Vernunft oder religiösen Letztbegründung zu finden sucht. Es ist ein Recht der Rechte, das nicht unmerklich ein beliebiges Recht sein darf, will es modern sein, sein muss. Die Bewusstwerdung eines selbstreflexiven normativen Rechts, das sich in seiner letztgründenden, sittlichen, vernünftigen oder religiösen Materialität nicht selbst begründen oder selbst legitimieren will, sondern nur selbst zu begrenzen sucht, indem es Räume schaffen will, in denen es nicht ist, weil es in ihnen nicht sein darf. Eine Unterscheidung, die ein islamisches Recht erst mühsam, nicht wenig konfliktarm aus einer holistischen Lesart islamischer Quelltexte (die Maqāṣid-Konzepte von al-Ghazālī und al-Shāṭibī) herauszulösen vermag; es sind die nicht unbekannten Probleme hinsichtlich ihrer Funktion und Substanz, die eine im „Westen“ so nicht wahrgenommene, genealogische Überwindung der überkommenen Rezeption und klassichen Konzeption der Maqāṣid al‐Scharīʿa überragend erschwert. Ein vielfach beschworener Lichtblick, der sich bei näherem Hinsehen selbst einzutrüben weiß. Die Motivation ent- und neugründender Umstellung von islamischen (Rechts-)gründen zu modernen Rechtszwecken unterfällt innerhalb einer sehr umtriebigen und agilen Rechtswissenschaft zuvörderst in zwei Tendenzunternehmen, die eine zeitgenössisch widerstreitende Reformdebatte spiegeln sollen: In den Ansatz ihrer nicht zwingend kriteriologischen Umdeutung und in den technischen Reflex einer bloßen Erweiterung ihrer klassischen Rechtszwecke, die insbesondere den neu zu verhandelnden Grundbedürfnissen des islamischen Menschen, den Weg in eine Moderne zu bedeuten haben. Eine letztlich religiöse Strebung, die den ultimativen Referenzrahmen klassischer Rechtszwecke nicht gänzlich quittieren will. Das Forum externum des islamischen Rechts, das den fuqahā (islamischen Juristen) überantwortet werden darf, tangiert hiernach nicht das Innen, die Gewissensanspannung des einzelnen Menschen, die je nur Allah zugänglich sein sollen. Ein Versprechen, das sich ein islamisches Recht scheinbar nur selbst abzunehmen weiß: Insoweit Allah eine auktoriale Mitwisserschaft zugestanden werden darf, ist ein solches Denken nicht strikt anti-ipseologisch oder gar antipolitisch, doch wird solches nicht unmerklich dadurch „neutralisiert“, als ein atheistisch oder politisch eingefärbtes Innen des Menschen nicht unbeschränkt eines göttlichen Diktums prozessieren dürfte. Ein unvollendeter Freiheitsraum eines im islamischen Recht vorgesehenen, tabuisierten Kernbereichs menschlicher Intimsphäre, der funktionabel sein muss, will er neue Autoritätsgründnung in protopolitischer Ermöglichung und aufruhender, politischer und formativer Rechtssetzung, die über eine zugelassene normative Umdeutung und Erweiterung hinausstrebt, einüben (beispielhaft bleibt der Schutz der Religion als Ritualnorm gleichrangiger Rechtszweck zu einem Schutz des Lebens). Die Verunmöglichung oder weitgehende Ausschaltung nicht-rechtlicher Responsivität von bloßem Denken, Meinen, Glauben und Dafürhalten in einem materialen Außen eines Rechts verhindern jegliche Übersprünge aus seinem tabuisierten Kernbereich menschlicher, experimentierender „Intimität“: Insoweit Übersprünge menschlichen Denkens, als sie in ein Zwischen von mannigfaltigen Privatsphären eintreten dürften; die es erst(-malig) ermöglichen könnten, gleichsam so etwas wie politische und nunmehr koalitionäre Willensbildung zu evozieren (der Mensch übersteigt hierbei seinen tabuisierten Kernbereich höchstpersönlicher Strebungen und verkapselt sich mit den preisgegebenen Privatsphären anderer Menschen). Erst mit diesem prozessualen Übersprung befähigen sich multispektrale Materialitäten selbst dazu, einem so projektierten Recht stets (außen-)konstitutiv vorausgehen und von einem Innen des Rechts konstitutionell vorausgesetzt werden zu können (indem das Innen des Rechts sein Außen erst in seinem Dasein und Sosein legalisiert, sprich erlaubt). Ein immanent politisches (erlaubtes) Dürfen im Außen des Rechts, das sich in seiner ermöglichten Rechtsbetätigung in einem Innen umstellen darf, statuiert sich uneigentlich durch einen weiteren Movens (erst jetzt wird ein Dürfen im Zwischen von Menschen realiter handlungsbefähigt): Das moderne Recht erlaubt nicht nur bloßes Dürfen (anderes Wollen, neues Wollen), es überführt es in die Ermöglichung eines beispielhaft partizipatorisch-rechtsetzenden Könnens, das anders möglich sein kann, das von etwas anderem abhängig sein darf (die Suche nach neuer majoritärer Autoritätsgründung oder ureigener islamischer Staatlichkeit, die ohne den Primat Islam hegemonial sein will). Eine moderne Rechtsordnung gewährt autologisch politische Rechte, weil modernes Recht nur unter dem hantologischen Signum seiner gründenden und entgründenden Politizität und Potentialität funktionsfähig werden kann. In einem freilich nur kursorischen Zugriff wird evident sichtbar, dass so etwas wie politische Rechte in den unabgeschlossenen klassischen, moderaten und modernisierenden Maqāṣid-Konzepten nicht einmal Erwähnung finden dürfen. Das Selbstverständnis der einzelnen Maqāṣid-Konzepte ruht freilich sehr reduktiv darin, dass die fünf Schutzzwecke des islamischen Rechts einer bloßen Gestaltung der menschlichen Existenz, den Regelungsvorbehalten zwischenmenschlicher Beziehungen zu unterfallen hätten: Dennoch ist es nicht minder ein Selbstverständnis, dass in einem solchen Zwischen der Menschen, sich das urtümliche Stratum sozialer Strittigkeit zuallererst prototypische Räume suchen muss, jene auch regelmäßig ohne die Wächterschaft eines islamischen Rechts (mit den Mitteln eines Politischen) zu erzeugen weiß. Aufmüpfige Strittigkeit, die autologisch politisch ist, die aber keine Anerkennungsverhältnisse in einer monolithischen normativen Ordnung abgeschlossener Rechtszwecke vorzufinden vermag, die stets eine revolutionäre Kräftigkeit eines „Arabischen Frühlings“ in die Untergeschosse des Gesellschaftlichen zurückzudrängen weiß; die überdies keine von der normativen Ordnung angebotenen, institutionalisierten Werkzeuge regelgeleiteten Streits aufzunehmen wüßte. Die klassifizierenden Dimensionen der islamischen Rechtszwecke erschöpfen sich in unterschiedenen, sogenannten notwendigen, erforderlichen und verbessernden Bedingungen der menschlichen Existenz: den Schutzzwecken der Religion, des Lebens, der Vernunft, der Nachkommen und des Eigentums. Soweit ein Recht politischer Betätigung suspendiert bleibt, setzt sich korrespondierend ein steuerungsmächtiges, irreversibles Partikel, das sich dem ultimativen Schutz der Religion dienbar zu machen hat, in der normativen Ordnung der Maqāṣid-Konzepte fest. Es wird zu einem purifiziert antipolitischen, nicht einmal unpolitischen Recht (was politisch sein kann) degradiert; es scheint wie ein klassisches griechisches, reines Reflexrecht zu sein, das vom Normadressaten allenfalls in seiner Ein- und Ausprägung wiederkehrend neu und monoton perpetuiert werden muss. Eine zeitkontextuale Mühewaltung der normativen Umdeutung und Erweiterung von islamischen Rechtszwecken durchschlägt verunmöglichtes politisches Anderes jedenfalls nicht. Schlussendlich zeigt sich hierin eine schon leichtsinnige Verschaltung von Recht und Nicht-Recht, mit der ein islamisches Recht nur schwerlich zu prozessieren weiß: Denn, eine materiale, rechtlich und nicht-rechtliche, insoweit doppelt reflexive Anerkennung normativer Ordnung heißt im modernen Recht, dass nicht-rechtliche Aktivation oder spektrale Interessenbildung (nur der sunnitische ist der „wahre“ Islam) niemals unbedingt Gültigkeit im Innen eines Rechts erlangen könnte. Unbedingt gültig ist nur das Recht, das nicht monoton ist; nur das Recht, das veränderbar ist und bleibt, ist gerechtes Recht modernen Zuschnitts. Hingegen bewährt sich die monolithische islamische Ritualnorm im islamischen Recht als überkommener Rechtsgrund, der vermittels einer nicht angreifbaren Substanz, die Islam heißt, gleichsam durch eine normenhierarchische und lebensweltliche Materialität hindurch, ein islamisches Recht für ein Nicht-Rechtliches insoweit öffnet, als eine religiöse Ritualnorm als privilegiertes Nicht-Rechtliches, sich zu einem Rechtsgrund in einem islamischen Recht umzustellen weiß: Die islamischen Ritualnormen vermögen dies scheinbar; ihre Materialität öffnet ein islamisches Recht, zugleich dürfen sie sich als Gründe in einem islamischen Recht umgestellt wissen – dass in einem modernen Recht, ein Recht durch die Materialität eines Nicht-Rechtlichen geöffnet und informiert wird, heißt jedoch gerade nicht, dass es zu einem Grund im Recht werden darf wie im Fall einer islamischen Ritualnorm (in den klassischen Konzeptionen steht sie zweifelsohne neben oder über einer Menschenwürde). Es drängen sich sodann zwei Fragen auf. a) Inwieweit vermag ein additiver Schutzzweck (den einer politischen Teilhabe u.ä.) das mehr als eintausendjährige Arkanum aus den überkommenen fünf islamischen Schutzzwecken (Religion, Leben, Vernunft, Nachkommenschaft und Eigentum) (…) insoweit zu durchschlagen, als er ein montones Zusammenspiel der menschlichen Grundbedürfnisse aus einer Maqāṣid (den monolithischen Schutzzwecken) und ihrer korrespondierenden Güterbefriedigung, der sogenannten Maṣālih, grundsätzlicher Neuverhandlung auszusetzen wüßte. b) Ließe man den Eintritt (…) zu, so verkapselt sich jene Frage mit einer weitergehenden Fragestellung: Kann ein hinzutretendes Recht auf unbedingte politische Teilhabe/echte Koalitionsfreiheit tatsächlich bloß neben einen Schutzzweck der Religion treten oder muss gleichsam letzterer insoweit heraustreten/zurücktreten, als ein (sichernder) Dienst an ihm durch ein politisches Recht nur hinreichend gewährleistet werden könnte. Die Frage ist, könnte ein totalitäres Selbstverständnis einer Universalreligion solches ertragen ? Ein zutiefst stagnativer Malus in einer jeden normativen Ordnung, der jede Mühewaltung neuer Autoritätsgründung (Demokratisierungsprozesse in islamischen Gesellschaften) wiederkehrend und nicht unmerklich wundersam in die Anerkennungsverhältnisse purifiziert islamischer Staatlichkeit zurückzuwerfen weiß, der ein Dilemmatorisches und eine Unpraktikabilität hybridisierter Staatsformen aus einer Maqāṣid und westlich-adaptiver Kostüme im arabisch-islamischen Lebensraum zu spiegeln weiß (Welche Qualität hat eine inkonsequente Glaubens- und Gewissensfreiheit in einer Marokkanischen Verfassung, vgl. oben, welcher Erfolgswert kommt Wahlen zu, bei der majoritäre Koalitionen nicht hegemonial sein dürfen, weil sie beispielhaft als "atheistische" Partei nicht zugelassen sind etc. ?) Versucht man all jenes in die anfängliche Behauptung des Exkurses zurückzuwerfen, so will ein islamisches Recht gegen sich selbst nur auf einem Auge blind sein. Die Suche nach neuer, ureigener islamischer Staatlichkeit jenseits existenter, erprobter Staatsmodelle (und aktueller islamischer Herrschaftsmodi) muss solche staatliche Gestaltungsmotoren supplementieren, insoweit addieren können, als sie nicht ausschließlich einen homogenen islamischen Menschen zu adressieren hätte; gelingt es nicht, so könnten auch prospektiv, gleichsam profan („proto-“)politisch prozessierende Menschen als auch politische Hegemonien von koalitionären Personenmehrheiten nicht funktionabel-konfliktaversiv, schlussendlich nicht hinlänglich befriedet islamischer Staatlichkeit unterfallen. Jede Form beherrschungskräftiger islamischer Staatlichkeit würde fortgesetzt in spektral-formative islamische Interessen, als diese unbedingt antagonistisch sind, zerfasern, die eine Addition von (agonalen) staatlichen Gestaltungsmotoren repetitiv verunmöglichen wird. Eine funktionable islamische Staatlichkeit jenseits beherrschungskräftiger Clan-Diktaturen, islamischer Monarchien mit infunktionabel hybridisiertem Verfassungsrecht u.a. bedarf unbedingt der Ermöglichung regelgeleiteten politischen Streits, der ohne Islam sein darf. Saijed Kutb erklärt (mit kontrastierender Motivation) die ununterbrochene normative Ordnung im Islam, die sich aus der klassischen Maqāṣid al‐Scharīʿa nähren soll; er weiß darum, dass eine purfiziert scharīʿatisierte, islamische Staatlichkeit nur schwerlich Kompatibilitäten mit einem Selbstverständnis demokratischer Bewegunsgwirklichkeit zu evozieren weiß; ihm ist bewusst, dass invasive, westlich-adaptive Importe moderner Rechtsstaatlichkeit schlichtweg Augenwischerei seien (viele heutige Autoren unterstellen nachgerade, dass es nur einem bewussten und vordergründigen Antlitz von Rechtsstaatlichkeit dienbar gemacht werden soll). Es sei schlussendlich darauf hingewiesen, dass der Schlüssel zu einem (Selbst-)Verständnis eines universalistisch strebenden, nicht minder totalitären Islams, der Letztbegründungszustand und institutionalisiertes Monitoring islamischer Lebensprinzipien sein will, nur über ein islamisches Recht erst ermöglicht werden könnte: Der Islam, als er auch multidimensionale und penibel programmierende Soziallehre sein will, organisiert sich gleichsam (schon) konstitutiv und konstitutionell in einer mäßig formativen Form des islamischen Rechts und innerhalb eines Arkanums monolithischer Rechtszwecke.

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